RIP BARBARA RÜTTING.

Januar 23, 2022    

Während ich den Nachruf über Hardy Krüger schrieb, fiel mir plötzlich Barbara Rütting ein, die ich damals ebenfalls auf einer Buchmesse kennenlernte. Ich weiß nicht mehr, ob ich sie interviewte oder ob wir uns bei einer Veranstaltung kennenlernten, jedenfalls passte es sofort mit uns.

Ich habe lange nichts mehr von ihr gehört, also suchmaschiente ich sie und erfuhr, dass sie letztes Jahr gestorben war. Fuck. Je älter man wird, desto häufiger muss man sich auf solche Nachrichten gefasst machen, doch es ist jedes Mal ein kleiner Schock, wenn man sieht, dass Wikipedia das „ist“ in „war“ geändert hat.

Als ich Barbara kennenlernte, war ich knapp 40 und sie über 70. Wir mochten uns sofort und quatschten drauflos. Sie war klug, witzig, und engagierte sich für Menschen und eine gerechtere Welt. Das reicht bei mir meistens schon. Ich habe da dieses Ding mit Geist und Sprache laufen. Ich fand sie sexy.

Und wie wir quatschten. Uns gingen einfach nicht die Themen aus. Sie hatte nicht nur als Fremdsprachenkorrespondentin in Kopenhagen gelebt, sondern auch als Schauspielerin, mit Stars, wie Kirk Douglas, Klaus Kinski, und Gert Fröbe gearbeitet. Sie war zudem einer der ersten offensiven und überzeugten Vegetarier, und das zu einer Zeit, wo man deswegen noch permanent gedisst wurde. Sie gab Kochbücher heraus, engagierte sich hart für Tierschutz „Du sollst nicht töten! Auch keine Tiere!“, organisierte Hilfsprojekte und nach Tschernobyl Vollwertkochkurse für strahlengeschädigte Kinder, „weil es getan werden muss.“.

Was mir aber an ihr am meisten gefiel, war, dass sie in den Achtzigern ihre Schauspielerin-Karriere beendet hatte, um sich für eine bessere Welt zu engagieren. Weg vom Ego, hin zum Wir. Ab da nutzte sie ihre Prominenz, um eine gesündere und Klimaneutralere Politik zu kreieren, und saß dabei für die Grünen mehrfach im Landtag.
Ich weiß nicht mehr, wie viele Stunden wir an dem Abend zusammensaßen, aber als wir auseinandergingen, waren wir irgendwie befreundet.

Nach der Messe, verlor man sich, wie üblich, aus den Augen. Doch eines Tages rief mich einer ihrer Mitarbeiterinnen an, ob ich eine Lesung von BR moderieren wolle. Auf jeden! Also fuhr ich nach München und moderierte sie. Dabei packte sie weitere Geschichten aus ihrem Leben aus, bei denen mir die Ohren schlackerten. Irgendwann moderierte ich nicht mehr, stattdessen regte ich mich tierisch über Ungerechtigkeiten auf. Ich war mal wieder viel zu persönlich und damit als Moderator eigentlich unprofessionell. Ein Teil des Publikums feierte es ab. Ein anderer Teil musterte mich irritiert. Eigentlich war es wie auf in dem Buchmessengespräch, zwei Menschen, die sich gemeinsam über die Zustände echauffieren.

Nach dem Abend, hagelte es monatelang Mod-Anfragen aus dem Münchener Raum. Die Grünen boten mir damals sogar einen Job in der Politik an. Irgendwas mit Landtag, Presse und Öffentlichkeitsarbeit. Ich hätte das alles gerne auf meine Brillanz als Moderator geschoben, doch ich ahnte natürlich, dass BR dahintersteckte.

Im Laufe der Jahre, sahen wir uns noch ein paar Mal auf Veranstaltungen und Messen wieder, aber nie wieder hatten wir Zeit für ein richtiges Gespräch. Man freute sich über das Wiedersehen, versprach sich bald mal anzurufen, Umarmung und weiter. Wie das halt so ist, und das ist das fatalste an Karriere machen. Man tut und macht, und trifft dabei tolle Leute. Doch weil man tut und macht, fehlt die Zeit, mit diesen tollen Leuten mehr Zeit zu verbringen. Mit einem Teil der interessantesten Menschen, die ich jemals traf, habe ich viel zu wenig Zeit verbracht. Jedes Mal, wenn man dann erfährt, nun geht es nicht mehr, denkt man, scheiße, hätte man doch bloß. So wie ich gerade.

Machs gut, Barbara. Danke für alles.

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