WARUM WIR TRÄUMEN…

Dezember 20, 2020    

Heute Nacht träumte ich von Udo Lindenberg. Wir waren im Tourbus und sangen seine Balladen mit Clueso und Ulla Meinecke. Wer schiefsang musste neben dem Bus herlaufen. Ich bekam eine Menge Bewegung… 😜
Dann wurde ich wach und mit dem ersten Kaffee legte ich gleich mal „Gegen die Strömung“ auf, ein typischer Udo-Antispießerlovesong, der mich an eine großartige Ex erinnert. Danach kam „Bis ans Ende der Welt“, eine Ballade, die ich vor 25 Jahren für meine Hochzeit umgetextet habe, die dann aber nicht stattfand. Ich saß mal wieder völlig geplättet da und dachte: Wow! Wie kann man nur so schön texten und das dann so eigen singen? Und während ich das dachte, fragte ich mich, warum ich ausgerechnet heute von Udo geträumt hatte und: OH NEIN, sag bitte nicht, dass er….
Ich ging schnell online, aber nein, no bad news – and thats a good one! Vergisst man ja manchmal, an wie vielen Tagen im Leben man morgens aufwacht, ohne dass Lieblingsmenschen/Künstler gestorben sind. Grüße an alle! Schön, dass ihr da seid! 🙏
Bleibt die Frage: Warum träume ich plötzlich von Udo, dem ich zwar mein erstes Album gewidmet habe, aber das ist lange her. Seit Jahren war ich in keiner Show mehr, keine Begegnungen, nichts. Also: Warum träume ich plötzlich heute von ihm?
These: Äh…
Frage: Warum ist Clueso in dem Traum, den ich persönlich gar nicht kenne?
Da habe ich eine These: Wahrscheinlich weil er Coach bei The Voice war und dort eine Udo-Anekdote zum besten gab. Die Folge schaute ich erst vor ein paar Tagen und mein Unterbewusstsein wird das irgendwie verknüpft haben…
Okay! Aber warum dann Ulla Meinecke? Vor 35 Jahren das letzte Mal getroffen, als sie mit „Die Tänzerin“ auf Tour war. Seitdem nie wiedergesehen. Warum träumt man plötzlich von Menschen, die man mehr als 30 Jahre nicht mehr gesehen hat?
Während Udo hier weiterlief, begann ich über Traumdeutung zu recherchieren, verfiel dabei aber (wiedermal) …

UDO LINDENBERG

Wie eigen muss man sein, um in dem völlig verspießten Deutschland der Siebziger Jahre, so etwas Un-deutsches zu machen, wie er? Er war so absolut für die Liebe (jede!) und gegen alles an Angst & Zwang.
Unvergessen auch, wie er Honecker und Kohls DDR-Politik mit den Waffen eines Künstlers beeinflusste, wie er mit „Sonderzug nach Pankow“ die Wiedervereinigung in den Köpfen ermöglichte, lange bevor die Realität nachzog.
An ihm kann man erkennen, welche Bedeutung Kunst haben kann, wenn die Künstler das vorleben, was viele Politiker nicht haben dürfen – Visionen, Gefühle & Sehnsüchte.
Helmut Schmidt sagte oft: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Für uns Künstler trifft das Gegenteil zu…
Lindenberg, der mit „Na und“, die schönste Schwulen-Lovehymne aller Zeiten schrieb, und das zu einer Zeit, als Schwule noch (mehr) auf den Straßen gejagt und zusammengeschlagen wurden…
Lindenberg, der mit „Sie brauchen keinen Führer“, die Nazis bereits in den Achtzigern lautstark bloßstellte, als viele noch gar nicht wussten, wie derb das Problem in Deutschland ist…
Lindenberg, der mit „Wozu sind Kriege da“ die deutsche Anti-Kriegs-Hymne schrieb, die während des kalten Krieges im Duett mit russischen Künstlern gesungen wurde. Hinter dem „Eiseren Vorhang“ wohlgemerkt…
Und so ewig weiter…
Von ihm kann man lernen, wie man eine 50jährige Karriere hinlegt. Auch wenn man in einer solch langen Zeit etwas Glück braucht, die richtige Comeback-Nummer („Horizont“) zur richtigen Zeit etc., so ist seine Karriere strategisch nicht unspannend, weil er vor allem immer wieder Mut hatte, neues auszuprobieren. Wenn man bedenkt, dass er als Drummer begann und gleich mit Größen wie Peter Herbolzheimer und Klaus Doldinger
spielte, hätte er auch einfach so weitermachen können, aber nein, er begann deutsche Texte zu schreiben und singen, und das in einer Zeit, wo Deutscher Gesang überwiegend in der Schlagerwelt herummiefte. Der Rest ist Geschichte.
Was ich sehr an ihn mag, ist, dass er immer wieder neue Künstler „entdeckt“ und mit auf Tour nahm. Alleine die Frauen, die dadurch groß oder größer wurden sind Legende.
Ulla Meinecke, aber auch die wunderbare Inga Rumpf. Gianna Nannini und unser aller Nina Hagen waren mit ihm auf Tour, nicht zu vergessen, einer meiner Lieblingssängerinnen Helen Schneider.
WARUM WIR TRÄUMEN!
Meine kurze Traumdeutungsrecherche hat ergeben: Nichts genaues weiß man nicht. Daher nun meine These:
Wir träumen, damit wir uns anschließend den ganzen Tag mit den Leuten aus dem Traum befassen können. Ich höre heute das Lebenswerk Udo Lindenbergs, recherchiere dabei den Status von Helen, Nina, Inga und Ulla, und schreibe mir mit Menschen aus meiner Vergangenheit. Gerade läuft „Baby, wenn ich down bin“ und ich weiß, danach wird Udo mich mit „Mädchen aus Ostberlin“ endgültig schmelzen…
Euch allen einen schönen ersten Weihnachtstag.
Lasst uns mehr träumen.
Euer Däne. ❤

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