RIP… Prince…………………….

Juni 21, 2016    

Wenn römische Befehlshaber von erfolgreichen Feldzügen zurückkehrten, wurde ihnen manchmal gestattet einen Triumphzug durch Rom zu vollziehen. Auf ihrem Wagen stand dann ein Sklave, der ihnen als „Reminder“ den ganzen Weg über ins Ohr flüsterte „Bedenke, dass du sterblich bist.“

Meine Reminder sind Nachrufe. Ich schreibe sie wirklich gerne, denn so traurig der Anlass meistens ist, so erfüllen sie mich fast immer mit Dankbarkeit, weil ich den verstorbenen Menschen zuvor kennen lernen durfte oder mich aus der Ferne von ihm inspirieren lassen durfte.

Aber bei Prince hört es auf.

Dieser Text tut nur weh.

Während ich ihn schreibe läuft Lovesexy, was noch mehr tut, weil ich die Songs nie mehr mit ihm singen werde.

Wie sehr liebe ich seine Musik, Kompositionen, Texte, Stimme, Gitarrensound, Mode, Dancemoves und Liveshows. Und was hat er mich genervt, wenn er gerade wieder die für mich perfekte Platte machte und daraufhin beschloss, in Zukunft etwas ganz anderes zu machen.

In einer früheren Zeit, wo um mich herum viel Gewalt und Kummer war, wo Freunde starben, und ich wenig Gutes mit mir anzufangen wusste, da entdeckte ich ihn eines Abends in einer Radiosendung. Ich hörte ein Lied – Do me, Baby – und war elektrisiert. Ich besorgte mir das Controversy-Album und war ab da Fan. Ich hörte die Platte jede Nacht auf Gettoblaster-Kopfhörer in meiner miesen Ghettowohnung in Wolfsburg, wo ich einen Job als Tankwart hatte, und mit deprimierenden Schichtmenschen aus dem VW-Werk zu tun hatte, die immer nur über Geld und Autos redeten. Doch Abends, nach Feierabend, wenn Prince sang, schrie und rockte, spürte ich, das es vielleicht ein anderes Leben für mich gab, eine Chance – eine wirkliche Chance! Ich musste nur, wie er, meine Gefühle in Worte wandeln, die richtigen Leute finden und losfahren. Und das tat ich. Ich gründete eine Band, fuhr los und alles wurde besser.

Doch dann kam Prince nach Europa. Meine Amateur-Deutschrockband hasste mich ab dem Tag, wo ich beseelt von meinem ersten Prince-Gig zurückkam. Es lief alles bestens, wir füllten Säle und verdienten ganz gut, doch plötzlich begann ich Spagat zu üben, richtete mit meinem Rundfussmikroständer im Proberaum Schäden an und verlangte von der Band plötzliche synchrone Tanzschrittfolgen, ließ mir Princekleidung schneidern, überredete eine Promoterin mir Zugang zu seinem Backstagebereich zu verschaffen, traf ihn, und lernte dabei, dass es manchmal schöner ist, seine Ikonen auf dem Sockel lassen zu können, aber auch wenn ich menschlich in diesem Moment nicht andocken konnte, musikalisch blieb er immer ein Gott, und ehrlich gesagt fallen mir keine passenden Superlativen für seine Kreativität ein und vor allem auch für seinen künstlerischen Mut, sich jedesmal, auf dem Höhepunkt seines Erfolges neu zu erfinden.
Wenn Mozarts und Beethovens Leben und Werke halbwegs korrekt überliefert sind, würde ich Prince in diese Reihe stellen. Ein Genie, der sich weder kaufen, noch im Schaffensprozess aufhalten ließ.

So schade, dass wir alle sterben müssen. Aber wie schön ist es, dass wir leben, während er lebte. Ich durfte ihn dutzendfach live erleben und seine Musik hat mich geprägt. Dafür bin ich unendlich dankbar.
Danke Prince. Für alles.

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