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Was mich fertig macht ist nicht das Leben, sondern die Tage dazwischen
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Nele & Paul
Die Beste zum Schluss
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Was mich fertig macht ist nicht das Leben, sondern die Tage dazwischen
1995 löste sich meine Band auf. Nach 15 Jahren Musikerleben, war ich plötzlich arbeitslos. Dazu kam, dass es Winter war, ich kein Geld- und vor allem keinen blassen Schimmer hatte, was ich nun machen sollte.
Um den unangenehmen Fragen aus dem Weg zu gehen, verkroch ich mich über Winter und als es Frühling wurde, hatte ich – mehr als sentimentale Beschäftigungstherapie – die Bandgeschichte nieder geschrieben.
Dank der Beihilfe von Selim Özdogan, landete das Manuskript bei Rütten & Loening und die Verlagsansage war folgende:
Wenn sich die erste Hardcoverauflage innerhalb von zwei Jahren verkauft, ist das ein Erfolg, der mit einer Taschenbuchlizenzierung belohnt wird.
Nach acht Wochen war die Auflage weg und der Verlag war fast so überrascht wie ich. Als auch noch die Lesungen voll waren, hielt man mich plötzlich für talentiert. Die Medien feierten den Roman, als “Überraschungserfolg eines jungen deutschen Schriftstellers.” Ein Satz, der bei einem 33jährigen dänischen Musiker, inhaltlich zu denken geben könnte, aber egal, denn es ging mir plötzlich wieder prima.
Es war nicht nur ein verrücktes Erlebnis, sein erstes Buch in der Hand zu halten, sondern auch ein einschneidendes, denn bei den Lesungen konnte ich endlich wieder auf die Bühne. Für einen Rocknroll-Musiker war es zugleich Offenbarung und Prüfung, auf Bühnen zu sitzen(!) und zu sprechen(!), und all das ohne das ein betrunkener, mit Marshalltürmen bewaffneter, Gitarrist beschloss, der Welt noch ein paar Schwerhörige hinzuzufügen. Ich saß einfach da und erzählte von meinen Eltern und der Band – und alles fügte sich zusammen. He, das machte Spaß!
Und das Buch öffnete andere Schreibtüren. Es hagelte auf einmal Anfragen und mein alter „Fehler“ immer zu allem Ja zu sagen, zahlte sich plötzlich aus.
Zwei Jahre später waren mehrere Drehbücher verfilmt, meine ersten Reportagen und Kolumnen in Frauenmagazinen erschienen und die ersten TV-Gags verstrahlt. Nebenher schrieb ich Konzepte und Kurzgeschichten und Literaturrezensionen und und und… Hätte man zu der Zeit mein Gehirn gescannt, hätte man vermutlich eine wahrhaftige Buchstabensuppe entdeckt. Ich probierte alles aus und es ist mir heute ein Rätsel, wie ich es schaffte, nebenher einen weiteren Roman zu schreiben…
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