NACHRUF
Komme gerade von einer Beerdigung. Ein „alter“ Bekannter ist überraschend mit 46 gestorben. Viel, viel zu früh.
Dominik war ein guter typ Mensch, ich mochte ihn, er war wach und neugierig und hatte Humor, wir lachten viel zusammen. Er hat dann noch die damals beste Freundin meiner damaligen besten Freundin geheiratet, mit der ich auch selber befreundet war. Dennoch habe ich beide seit gefühlt 100 Jahren nicht mehr gesehen. Warum? Sie bekamen ein Kind, zogen aus Köln raus und vorbei war es mit spontan auf Käffchen/Bierchen. Ich stand eben am Grab, umgeben von Freunden, die ich ebenfalls viel zu selten sehe und fragte mich wieder: Wie leben wir eigentlich?

Diese Frage stellte ich mir bereits vor zwei Jahren auf einer Beerdigung und nahm mir damals vor, alle Menschen zu besuchen, die ich mag oder die mir mal viel bedeutet haben. Seitdem habe ich mit Jugendfreunden Partys von anderen Jugendfreunden gecrasht, tolle Ex-Freunde/Freundinnen wiedergesehen und auch seltsame Begegnungen mit alten Kumpels gehabt. Manchmal gibt es ja einen guten Grund, wieso man sich nie wiedersieht. Doch meistens sind es profane Gründe, die uns trennen: Umzug, Familiengründung, Karriere.

Seit 30 Jahren ist es einer meiner Prioritäten, im Alltag Zeit für meine Bedürfnisse zu haben. Das machten damals viele so. Und dann wurden wir erwachsen. Ich behielt meinen Lebensplan bei, doch irgendwann wurde ich müde hinter Freunden herzurennen, die keine Zeit mehr für sich, geschweige denn für mich/uns, hatten.
Seit der Beerdigung vor zwei Jahren gehe ich ihnen zumindest wieder so auf die Nerven, dass wir uns schließlich doch mal treffen und sieh an: Meistens einen guten bis besonderen bis völlig außergewöhnlichen Abend haben. Und wenn es uns dann morgen zerreißen sollte, müssen wir uns nicht so ärgern, wie ich mich heute, denn leider habe ich es bei Dominik nicht geschafft – und das macht mich gerade sehr traurig. Wie gerne hätte ich noch mal mit ihm rumgealbert, sein tolles Grinsen gesehen und mir eine gute Frage eingefangen…

Heute haben wir einen guten Mann begraben. Ein Neugieriger. Ein Humorvoller. Ein Ehemann und Vater. Ein Arzt ohne Grenzen. Doch auch für die endet das Leben. Ich wünschte nur, es wäre viel, viel später passiert. Dom, du fehlst.

Ihr Lieben, kümmert euch um eure Leute. Solange es noch geht.

Michel