SIT-DOWN-COMEDY

Als der Stand-Up-Comedy-Boom Mitte der Neunziger so richtig über Deutschland hineinbrach, schrieb ich gerade Gags fürs Fernsehen. Als Exmusiker fehlte mir die Bühne. Naheliegend, dass ich mir ein paar Texte schrieb und damit loszog, um die Comedywelt zu erobern. Entertainment bleibt schließlich Entertainment, richtig?

Haha.

Als Sänger einer Rockband, war es vielleicht ok, auf der Bühne herumzuzappeln, auf Lautsprecherboxen zu klettern und in die erste Reihe zu springen. Doch das Comedypublikum war noch nicht bereit. Wie ich merkte, musste man seinen Körper hier gezielt einsetzen. Doch das wollte meiner nicht, ich zappelte wie ein Epileptiker auf dem elektrischen Stuhl. Immer öfter kamen Kollegen zu mir und wollten mich als Texter engagieren. Damit ich weniger Zeit hatte aufzutreten.

Meinen Knacks, wie Roger Willemsen so schön sagt, war dann ein Abend, an dem ich nach Kaya Yarna auf die Bühne musste. Ich konnte den Level nicht halten und ging baden. Das war hart, aber fair. Der  Knacks folgte danach in Gestalt einer Frau mit einer Flöte. Sie brachte folgender Nummer…

Sie spielte Flöte.

Ziemlich lange. Ziemlich langweilig.

Dann hörte sie auf zu spielen und steckte sich das Ding unter den Rock.

Das Lied ging Playback weiter.

Ziemlich lange. Ziemlich langweilig.

Dann ging sie.

Und bekam mehr Applaus als ich.

Ich stand hinter der Bühne und dachte, he, ok, man hat dich aus einem fahrenden Auto geworfen, man hat dich gegen deinen Willen aus deinem Land entfernt, man hat dich verlassen, überfallen, beraubt und, he, man hat dich Jahrelang in Wolfsburg wohnen lassen…! Aber das hier… also das hast du wirklich nicht verdient!

Als ich zur zweiten Hälfte rausging, hatte ich keine Lust. Ich nahm mir ein Stuhl, setzte mich hin und erzählte/las die Geschichte runter. Mir war klar, dass das Publikum mich dafür hassen würde, aber ich wollte es nur hinter mich bringen und mich anschließend irgendwo bemitleiden.
Als ich fertig war, stand der Laden Kopf und ich dachte, he, ok, man hat dich aus einem fahrenden Auto geworfen, man hat dich gegen deinen Willen aus deinem Land entfernt, man hat dich Jahrelang in Wolfsburg wohnen lassen…! Aber das hier… also das entschädigt für vieles!

An diesem Abend beschloss ich nie wieder Stand-Up zu machen.
Sit-Down-Comedy war geboren und ich dachte, hach, mal wieder eine geniale Idee, geboren aus meiner unerschöpflichen Kreativität.
(Wie mir jemand später erklärte, hatte die Technik bloss meinen ersten Durchgang dermaßen verhunzt, dass das Publikum kein Wort verstanden hatte. So ist das manchmal. Zum Glück gezwungen.)

Ich schrieb das LACHFALTEN-Programm und ging damit auf Tour.

LACHFALTEN

Die Kindergeschichten entstanden in einer Zeit, in der ich meine alten Tagebücher am Stück las. Eigentlich sollte der Text bloss so etwas wie meine Biographie aus Kindersicht werden, doch das brachte sofort dieses lakonische Komikpotenzial mit sich, das ich nach und nach als Grundton ausbaute.
Wer bei den ersten Sit-Down-Lesungen live dabei war, weiß vielleicht noch, dass die auch Dramaanteile hatten, doch wie ich live feststellte, verwirrte der Wechsel Drama/Comedy das Publikum. Schließlich warf  ich das Drama raus und hatte bei circa 150 Lachfalten-Shows, ungefähr 150 x riesigen Spaß, wie man mir hoffentlich anmerkte.

HÖRPROBEN
le petite

FRAUENGESCHICHTEN

Nach 10 Jahren Kolumnen für Frauenmagazine wie Allegra, Petra, Maxi, Women und Cosmopolitan, hatten sich viele Beziehungstexte angesammelt und ich fand es schade, dass die nach einer einzigen Veröffentlichung als „Alt“ galten. Man sollte irgendwas damit machen.
Aber was?

Als ich Audio Lübbe davon erzählte, waren die so freundlich mir sofort 15.000 Vorschuss (Dänische Kronen) zu geben. Also wählte ich Texte aus, ging ins Studio und nahm eine CD auf. Soweit, so gut.

Doch für die Liveshow fehlte mir noch irgendwie eine zündende, süße Idee, um die Sache ins rechte Licht zu rücken…

DINGSDA war Jahrelang meine Lieblingssendung gewesen, also beschloss ich Kinder zu den Kolumnenthemen zu interviewen. He, das machte vielleicht Spaß!  Manchmal hat man ja so Schnapsideen, die dann tatsächlich auch nüchtern funktionieren. Dank diesen Interviews, hatte ich bereits vor der Premiere jede Menge Spaß und die Kinderinterviews werden immer weiter ausgebaut.

Die Reaktionen auf die Premiere, waren klasse! Mit Kritiken, wie Der männliche Carrie Bradshaw oder, klar, Frauenversteher oder, uff, Mario Barth für Intelligente, komme ich wirklich klar, doch was bisher übersehen wurde, ist, dass ich mich zwar über unsere Versuche perfekte Beziehungen zu führen, ein bisschen lustig mache, aber
a) biete ich Lösungsvorschläge und
b) basieren sämtliche Frau/Mann-Aussagen auf wissenschaftliche Fakten!
He, für dieses Programm habe ich nicht nur dutzende Fachbücher gelesen, Dokus gesehen, Homepages durchforscht – sondern auch viele Gespräche mit Ex-Freundinnen geführt!!

Es hat sich gelohnt. Zum einen weiß ich heute viel mehr über Frauen, zum anderen habe ich mit keiner einzigen Ex Stress, was später meine Grabsteininschrift werden könnte: Seine Exfrauen mochten ihn.

HÖRPROBEN

Volksdroge Nr. 1