Poolhopping auf Kreta

Dienstag, 25. Mai 2010

Frisch zurück von der Lübbe+TUI-Aktion “Autoren auf der Insel” die Ricard Dübell und mich nach Kreta brachte, wo wir  Werbung für unsere Bücher machten, und da ich einen Reisebløg für Lübbe schreiben durfte, werde ich den einfach hier posten. Außerdem gibt es die ersten Live-Termine und NELE & PAUL wird eeeendlich als Taschenbuch ausgeliefert.

Viel Spaß!

Und so zwang mich mein Verlag zu diesem Reisebløg:

Sie sagten: Lieber Michel, mach bitte deine längste Anreise aller Zeiten, um eine Honorarfreie Leseshow zu machen, bleib ein paar Tage vor Ort, steh Journalisten zur Verfügung, mach ein paar Fotoshootings, und schreib uns noch einen ausführlichen Reisebericht darüber. Übrigens: Wir können dir leider auch dafür kein Geld dafür geben…

Mein Verlag ist nicht ohne Grund mein Lieblingsverlag. Es ist ein bisschen wie in einer guten Beziehung: Auch wenn man nicht alles versteht, was der andere macht, weiß man, dass es gut gemeint ist und ich bin jeder Zeit bereit, die merkwürdigsten Dinge für meine Süß… ähm, meinen Verlag zu machen. Aber. Nach 20 Jahren Touren hasse ich lange Anreisen, des weiteren haben Gratisauftritte die unangenehme Nebenwirkung, oft sehr schlecht und lieblos organisiert zu sein, und dann noch einen Reisebericht…?? Sollte ich Ablehnen und Stress riskieren? Oder sollte ich einfach mal wieder darauf vertrauen, dass mein Verlag es gut mit mir meinte?

Nach ein paar Stunden Grübeln, entschied ich mich. Leicht bekümmert rief ich den Verlag zurück und sagte. ABER KLAR DOCH! LIEBEND GERN! UND FÜR LAU! GAR KEIN PROBLEM!

Kaum hatte ich zugesagt, erwähnte mein Lieblingsverlag, ach so, ja, die Lesung fände in einem 5-Sterne-Hotel auf Kreta statt und ich könne noch eine Woche bleiben, wenn ich wolle, alles frei und könne noch jemanden mitnehmen und auch selber bestimmen, wie der Reiseblog aussehen soll…

Vertrauen lohnt sich.

Also Reisebløg. Ist wirklich ok. Auch nach 15 Jahren Dauerschreiben, schreibe ich noch gerne. Was mich allerdings fertig macht, sind die FacebookTwitterMyspaceXing-Bombardierungen. Bald muss ich mich entscheiden, ob ich weiterhin Romane schreibe oder stattdessen meine FacebookTwitterMyspaceXing-Anfragen beantworte. Wenn’s wenigstens Einladungen für Partys wären, aber nein, meistens Fragen, die ich schon auf der Homepage beantworte.

Also Reisebløg. Ja. Hm. Also, Kreta soll ja schön sein, aber in Reiseblogs will man doch eh nur erfahren, wie das Meer ist (Grossartig!), das Essen (Gut!), die zwischenmenschlichen Momente (XXXXXXXX Auf Anraten des Verlaganwalts gestrichen), und – als Attribut an das Alter – die Betten. (Sehr gut!)

So erhoffte ich es mir zumindest, aber die Wahrheit ist, dass die Griechen streikten, als wir – Meine gutgelaunten Lübbebetreuer und Autor – Nachts um 3h am Frankfurter Flughafen ankamen und auf einen Bildschirm starrten, der uns klarmachte, dass der Flug nicht in 2 Stunden gehen würde, sondern am nächsten Tag um 21h, da fand ich – die Griechen haben irgendwie auch selber schuld. Da will man ihnen Geld bringen und sie lassen einen nicht einreisen. Das es das gute Recht des Volkes ist, sich gegen raffgierige Regierungen zur Wehr zu setzen, vergisst man ziemlich leicht, wenn man nachts ein Flugzeug verpasst…

Aber jedes Leid hat auch seine sonnigen Momente – es folgte einer dieser Augenblicke, wo mein Verlag sich mal wieder als Lieblingsverlag manifestierte. Obwohl 3h Nachts in Frankfurt, jammerte keine meiner beiden Begleiterinnen, stattdessen führten sie mich an die Bar, drückten mir einen Cocktail in die Hand und sagten – passt schon. Und es passte. Während wir versackten, sah ich, wie die übermüdet und einsam wirkende Barfrau ihrem Süßen am Handy flüsternd mitteilte, dass sie gleich nach Hause kommen würde und ich sah ein wunderschönes Lächeln auf ihrem Gesicht und stellte mir vor, wie sie nach einer langen Nacht, müde zwischen die Laken an einen warmen Körper gleitet, und er wird kurz wach, küsst sie mit Schlafatem und murmelt was schönes. Und dann liegen seine Arme um sie und sie schläft ein und ihre Einsamkeit löst sich in Luft auf.

Mit diesem schönen Moment im Hinterkopf, schlief ich ein paar Getränke später in einem Hotelbett ein. Allein. Aber nicht einsam.

Die Anreise

Am nächsten Tag klappte es dann mit der Anreise, Ich hatte im Frankfurter Hotel super geschrieben und war gut drauf, aber als wir auf Kreta landeten war es 1h Nachts und als der letzte übergewichtige Rentner den Bus – teilweise mit tatkräftiger Hilfe – erklommen hatte, war es nach 2h und ich wusste wieder, warum ich mir immer einen Mietwagen nehme. Meine erste Pauschalanreise seit 15 Jahren, war ab Landung eine einzige Demonstration, wie nahe uns der Neandertaler steht. Wenn’s um Fensterplätze geht oder als erster ans Kofferband oder an den Rollwagen oder in die Toilette kommen, erwacht in manchem der Urmensch.

Als ich endlich im Hotel war, war es 4h durch und trotz der späten Stunde, erlebte ich dann noch Freude, Schrecken und Befriedigung.

Die Freude war die Hotelanlage und das „Apartment“, falls man etwas so bezeichnen kann, dass einen Whirlpool im Bad und einen Jakuzi auf der eigenen Terrasse mit vollem Meeresblick nennen kann. (Das Bett – ein Traum!)

Der Schrecken waren dann die … Mücken. Dazu muss man wissen: Auf Kreta heißt es: „Aus einem Elefanten eine Mücke machen.“

Vor 50 Jahren wurden eine Trilliarde ganz normale deutsche Stechmücken eingefangen und nach Saigon gekarrt, wo sie von desertierten Amipiloten ausgebildet wurden. Es folgten 10 Jahre Terrorcamp in Libanon. Danach wurden die Viecher 10 Jahre von der CIA in Kampfsport, Fechten und psychologischer Kriegsführung ausgebildet. Danach folgten 20 Jahre Fitnesstraining und Anabolika, zack, fertig ist die gemeine Kretamücke.

Aber wie ein paar Actionhelden so schön formuliert haben – wenn es blutet, kann es auch sterben. Gesagt, getan. 152 Luftschlachten weiter, hatte ich meine Ruhe und schlief endlich ein. Mit meinem Schlafdefizit war mir klar, dass ich mindesten 24 Stunden durchschlafen würde.

Es wurden drei.

Übers Meer………………

Mitten im Schlaf wurde ich brutal aus dem Schlaf gerissen. Ich warf einen Blick auf die Uhr und dachte, was hat mich geweckt?? Seit dem Massaker gestern Nacht gab es auf Kreta keine Mücken mehr und die neuen sollten erst morgen vom Festland importiert werden. Ich schaute aus dem Fenster, die Sonne ging auf, das Meer war glatt, ein paar Vögel sangen, ein einsamer Jogger zog die Landlinie nach, alles war friedlich. Was, zum Teufel, hatte mich geweckt???

Erst beim zu frühen Frühstück, fiel es mir auf. Ich wohne in Köln über einen Kinderspielplatz, auf dem die Kinder Tagsüber toben, was mir Spaß macht, aber Abends übernehmen die Assis bis tief in die Nacht. Das Fehlen von Idioten die sich anschreien und sich gegenseitig stundenlang Handytöne vorspielen, hatte mich geweckt. Es war zu ruhig. Niemand nannte jemand eine „Funz“, niemand Asideutschte, keine Kehrmaschiene, Müllabfuhr, oder gar mein geliebtes Laubgebläse… Die Stille war zu laut. Als Großstadtmensch muss man sich da erst mal umstellen. Vielleicht eine Marklücke: CDs mit Großstadtgeräuschen die langsam leiser werden, bis Stille eintritt. Für Großstadtmenschen, die sich sanfter akklimatisieren wollen.

Den ganzen Tag ging es ging so weiter. Pool… Übers Meer schauen.. Lesen… Übers Meer schauen… Mittagessen mit meinen sweeten Lübbebetreuern, die sogar mein Essen vorkosteten! (Lieblingsverlag.)

Dann schrieb ich ein paar Stunden und am Ende verpasste ich fast meine Lesung, weil a) der Tag mit Meerblick mich auf Urlaubsmode umgeschaltet hatte und b) ich Depp vergessen hatte die Uhr umzustellen. (Griechenland hat in den letzten Jahren so geprasst. Die haben sich sogar ne Extra-Stunde besorgt.)

Nach einem freundlichen Anruf, der mich unter der Dusche erreichte, stand ich 10 Minuten später auf der imaginären Bühne vor dem entspanntesten Publikum meines Lebens. Den ganzen Tag übers Meer schauen, dann lecker Essen und schließlich in diese unglaublich tiefen Ledersessel gleiten, in denen schon Kleinfamilien für immer verschwunden waren, da konnte man schon mal „relaxen“ neu definieren. So schraubte ich auch mich auf Meergroove zurück, erzählte von meinen Romanen und meiner Liebe dazu, von meinen Eltern und meiner Liebe zu ihnen. Anschließend signierte ich Bücher, holte mir ein paar Kretatipps, Komplimente und lustige Anreisestorys, und schließlich endete der Abend, Überraschung!, an einer Theke mit einigen Lesungsbesuchern, und der sehr freundlichen Frau Brandes von der Tui, und natürlich waren auch meinen Lübbebetreuer dabei, aber leider ließen sie sich nicht überreden, meine Getränke vorzukosten. Viel verpassten sie nicht, denn nach 2 Bier hatte ich leicht einen im Kahn. Was ein friedlicher Tag so alles kann….

Ich ging in mein Traumapartment, überlegte kurz ob ich den Jakuzi anschmeißen sollte, blieb dann aber, wie so oft, an der Tastatur kleben und schrieb, bis mir irgendwann die Augen zufielen. Mit offenen Terrassentüren grub ich mich ins Traumbett, lauschte den Wellen und nahm mir vor, eine schöne Stelle über das Meer für den Reiseblog zu schreiben, aber die schönsten Stellen, die ich übers Meer sagen und fühlen kann, habe ich in „Was mich fertigmacht…“ Und „Wenn das Leben ein Strand ist…“ bereits geschrieben. Vor allem der in „Was mich fertigmacht…“ berührt mich immer wieder. Mehr kann ich nicht fühlen, besser kann ich nicht schreiben. Also entspannte ich mich einfach und nahm sie, die Wellen, mit in den Schlaf. Ich träumte wellenförmig.

Tag 3

Heute lag ich am Pool. Dann trafen die ersten Journalisten ein, um über „Autoren auf der Insel“ zu berichten. Ein paar kannte ich schon von der Autorenreise nach Dänemark. Großes Hallo. Man aß zu Mittag, und um sich davon zu erholen, hängte man sich schnell wieder an den Pool. Irgendwann ging ich ins Apartment. Auch am dritten Tag muss ich immer noch lachen, wenn ich die Apartmenttür öffne und die Glaswand sehe, die mich von der Terrasse mit dem Jakuzi trennt, und dahinter Atlantik so weit das Auge reicht. Ich schrieb Reiseblog und ein paar Ideen für den Roman (Also den nächsten für 2011, der jetzt schon in der Mache ist, noch bevor DIE BESTE ZUM SCHLUSS im August erschienen ist. Diese Vorlaufszeiten bringen mich manchmal immer noch durcheinander).

Um mich von dem Stress zu erholen – schnell zurück an den Pool. Ich redete mit einer ziemlich lustigen Journalistin, und mit ein paar Leuten, die gestern auf der Lesung gewesen waren, zog ein paar Bahnen und dann trudelten die letzten Journalisten ein, so wie mein Autorenkollege, Ricard Dübell. Wieder großes Hallo und endlich wieder was Essen.

Diesmal speiste man in großer Runde auf einer noch größeren Terrasse unter freien Himmel, hörte einem ziemlich guten Leonard Cohen-Imitator zu, wärmte alte Geschichten auf, fügten eine paar neue hinzu und der Abend wurde Nacht. Ich genoss die Gesellschaft, den Ouzo und das Klima, schaute über die Ferienanlage und nahm mir vor, sie zu erkundigen, wenn alle anderen am Sonntag abreisen. Wird wahrscheinlich ein Tagesausflug. Hm. Das bedeutet, dass ich mich einen ganzen Tag von meinem Pool trennen muss. Das wird hart. Wenn man im Pool treibt, sieht es aus, als würde das Poolwasser nahtlos ins Meer übergehen und weiter draußen in das Blau des Horizonts verschwimmen. Ein großartiger Farbenflash. I love Pool.

Skandal!

Ich bin krank! Als ich heute aufwachte und vom Bett aus auf Meer schaute, vermisste ich allen ernstes Köln. Also nicht Köln, sondern meine Wohnung, meine Arbeitsecke, die Assis unter meinem Fenster. Meinen eigenen Kaffee. Eigentlich ein schönes Zeichen, oder? Ich meine, wenn ich mein Zuhause sogar HIER vermissen kann, scheine ich mich zuhause wirklich wohl zu fühlen. Trotzdem strange.

Heute war der Tag von Ricards Lesung und nachdem ich vorgestern hier selber gelesen hatte, redeten wir über ein paar Dinge, die man besser machen konnte, wo man sich hinstellt, Mikro ja/nein usw.

Es folgte ein stundeslanges lustiges Foto-Shooting an nicht immer ungefährlichen Sets. Spätestens seit Heidi Klums Sendung, weiß jeder, dass posieren anstrengend ist, und so schwankten wir erledigt los. Eine zur Massage, ein paar zum Mittagessen, ein paar zum Flughafen, und… ein Däne zum Pool.

Abends dann Ricards Lesung. Seit einem gemeinsamen Workshop vor ein paar Jahren, bin ich ein Fan von ihm. Wenn jemand es schafft mich für Dinge zu interessieren, die mich eigentlich nicht interessieren, muss er gut sein.

Ricard trat in voller Montur auf und machte die Sache unter nicht ganz einfachen Umständen, super. Es kamen ganz schön viele Leute mitten in seiner Show rein und ein paar Kinder beschlossen das Hotel einzureißen, dazu brummende Elektrogeräte, leicht war es nicht, aber… Es ist immer wieder schön mit ansehen zu dürfen, wie jemand auf der Bühne reagiert, wenn die Umständen schwierig sind. Da trennt sich der Spreu vom Weizen. Weizen-Ricard.

Anschließend fand sich eine noch größere Runde als gestern ein, um auf der fetten Terrasse zu versacken. Schon komisch, was einem alles wieder einfällt, wenn man mit Ouzo unter freien Himmel in einer lustigen, entspannten Runde sitzt. Ein paar der Anekdoten, die ich erzählte, hatte ich schon selber vergessen. Der Ouzo holte sie aus dem Nebel meines Vergessens.

Später in der Nacht, schrieb ich sie schnell auf, um sie mal literarisch benutzen zu können Und das ist ja der Skandal für uns Schriftsteller! Immer diese Vorwürfe, wir würden nur chillen und feiern, aber wir arbeiten IMMER! Sogar wenn wir uns auf dem Dach eines Hotel in Kreta angetrunken totlachen. Workaholics.

Wieso ist Meeresrauschen bloß so schön?

Und wieso ist es gleich noch viel schöner, wenn man es vom Bett aus hören kann? Jedenfalls, ich erwachte lächelnd, schaute auf die Uhr – und sprang aus dem Bett! Wir waren letzte Nacht aufs Schönste versackt, doch um 9h stand ein Fotoshooting mit den Gewinnern der Reise, auf dem Programm. Ich muss sagen, übernächtigt mit Restpromille im Blut geht so ein Shooting doch locker von der Hand. Machte Spaß. Nur die Bilder muss ich nicht sehen…

Bis auf 2 Journalisten und Richard, verabschiedeten sich dann alle Richtung Deutschland. Es wurde gemurrt, weil wir noch bleiben konnten, doch wie so oft, stellte sich erst später heraus, wer Glück und Pech hatte. Aus der großen Runde wurde kleine Runde. Vor Schreck zog es uns an den Pool, aber dort hielt es uns nur kurz, dann hüpften wir doch lieber in Meer. Es war… frisch. Aber die Wellen waren gut. Und überhaupt, Mann, Meer… Normalerweise versuche ich 2x im Jahr ans Meer zu fahren, aber letztes Jahr war turbulent geendet und als ich nachrechnete, stellte ich fest, das es fast ein ¾ Jahr her war, seitdem ich am Meer gewesen war. Ich nahm mir vor, in Zukunft besser aufzupassen.

Vom Meer aus, hatte ich einen anderen Blick auf die weitläufige Anlage und nahm mir wieder vor, sie zu erkunden, doch Ricard verwickelte mich in ein Fachgespräch übers Schreiben, das nur durch Mittagessen unterbrochen wurde. Kurz bevor dann auch er und die beiden letzten Journalisten abreisen sollten, erfuhren wir, dass die Isländer Asche den Münchener Flughafen geschlossen hatten. In letzten Tagen war gescherzt worden bitte bitte, Aschewolke komm, dann bleiben wir für immer hier, aber, wie so oft, erfährt man erst später, was so ein Wunsch wert ist. Ok, wenigstens erfuhren sie es, bevor sie in den Bus stiegen und nach Heraklion zurückfuhren. Aber mitten in der Freude, erfuhren wir, dass die Flüge noch nicht offiziell gecancelt worden waren und das Reisende ihre Rechte verlieren, wenn sie nicht zum Flughafen fahren. Also mussten sie tatsächlich losfahren. Aus kleiner Runde wurde letzte Runde.

Ich zog eine Schneise durch das Restaurant, flirtete ein bisschen mit einer sweeten Frau am Nebentisch, bis ein großer Typ sich zu ihr setzte und mich finster anstarrte. Ich entschied mich spontan für einen Sonnenuntergang am Meer.

Wieso sind Sonnenuntergänge am Meer bloß so schön? Sie symbolisieren doch irgendwie Ende des Tages und Abschiednehmen. Dennoch … wow.

Während die Sonne endgültig versackte, landete ich mit einem eiskalten Bier auf meiner Terrasse neben dem immer noch unbenutzten Jakuzi und schrieb 25 Seiten von meinem nächsten Baby, während ruhige Wellengeräusche mich durch die Zeilen trugen. Ein schöner Tag. Danke Leben.

Nur so ein weiterer Tag…

Hahaha, fünfundzwanzig Seiten, schön wär’s!! Ich wollte gestern Abend fünf schreiben und dabei blieb es dann auch, weil mein Hoteltelefon um 22h klingelte. Es war Ricard Dübell und er bat mich, doch hoch in die Bar zu kommen, weil er und Susanne, die letzte verbliebene Journalistin, doch wieder vom Flughafen zurückgekommen waren. Ich schleppte mich also gestern Abend noch mit letzter Kraft hoch in der Dachbar. Ouzo, Sternenhimmel, Gespräche, ach, was tut man nicht alles für den Verlag…

Heute früh wollte ich dann eigentlich die Hotelanlage oder Kreta erkunden, doch als ich mir den Wecker auf 7 gestellt hatte, war es so unglaublich ruhig und die Luft war so klar und die Sonne stieg langsam und da sich die wachen Gästen beim Frühstück aufhielten, drehte ich eine Runde, kam an einem unglaublichen Aussichtspunkt über das Meer vorbei und da stand eine Liege und…. 4 Stunden lang stand ich nicht mehr auf. Es war einfach zu schön.

Abends fuhren Ricard und Susanne zum 2ten Mal zum Flughafen. Da mir morgen nur noch ein Tag bleibt, werde ich entweder früh aufstehen und mir den Mietwagen schnappen, um dann den Strichen zu folgen, die man mir auf meine Kretakarte eingezeichnet hat, oder ich stehe später auf und begutachte die Anlage. Und dazu ist mir eine Idee gekommen, wie ich die Anlage besichtigen kann ohne das Poolen zu vernachlässigen: Poolhopping!

Die Anlage soll über 30 Pools haben. Ich werde alle durchschwimmen und zwar – ohne zwischendurch ein Bier zu trinken!! Hammer!!! Kann ja nur eine Frage der Zeit sein, bis Raab daraus eine Show macht.

Pool-Hopping – ein Versuch.

Gestern Abend, ich lag im Bett und fummelte an meinem Baby (Laptop) herum, plötzlich: MODERN TAKING! LAUT!!! Arrghhhh!!!! Was war denn nun?? Als nächstes folgte Prince. Genau so laut. Schon besser, obwohl ein paar Frauenstimmen gleichzeitig dieses debile Huuu-huuu machten, was sich in den letzten Jahren als Partyschrei durchgesetzt hat. Ich erklärte meinem Baby, dass ich noch mal losmusste und zog, auf der Suche nach einer Erklärung, zur großen Dachterrasse im Eingangsbereich. Ausgerechnet in der ERSTEN Nacht ohne die Verlagsmannschaft fand ein Themenabend statt. Das Thema fand ich zwar am ganzen Abend nicht heraus, aber ein DJ bat zum Tanz, doch ich machte den Schriftsteller: Ich setzte mich an der Theke und dachte künstlerisch-wertvoll nach. Mir kamen Fragen.

1) Was passiert eigentlich bei Feueralarm im Gefängnis?

2) Wieso ist der Himmel blau? (Außer in Köln)

3) Was geht in den Köpfen junger überdrehter Russinnen vor, die sehr sehr gerne, sehr sehr oft, begeisterte Schreie beim Tanzen ausstoßen, während sie an ihren Armkuhlen schnuppern?

4) Und wie kriegt ein Hotel eigentlich 5 Sterne? Das Royal Blue hatte ja 5 Sterne und wenn ich sie verteilen sollte, dann für…
*) Vom Bett aufs Meer gucken, *) Regendusche, *) Freundlichkeit des Personals, *) Die Pools, * ) Und, auch wenn es ein ökologisches Foul ist, für den Jakuzi auf der Terrasse über dem Meer. Spätrömische Dekadenz vom Feinsten.

Ich trank noch was. Mir fielen weitere Fragen ein. Ich behielt sie für mich, hörte Russinnen beim Jauchzen zu und ließ es spät werden.

Der Wecker tat seinen Job um 6h. Sonnenaufgang. Wow. Mich haute es wieder um. So banal. So besonders. Ich frage mich, ob Meerbewohner, also nicht Fische, sondern am Meer lebenden Menschen, eines Tages dieses Wunder nicht mehr wahrnehmen, wie in richtigen Beziehung. Die alltägliche Schönheit übersehen.

Als ich mich endlich loseiste, war es zu spät für die Inselrundfahrt, also warf ich mich ins Abenteuer: POOLHOPPING!!

Woran erkennt man Singles im Sonnenurlaub? Verbrannte Flecken auf dem Rücken. Es gibt nun mal Stellen, da kommt man selber ohne Gummiknochen nicht hin. Innerhalb von Stunden kennzeichnet dich die Sonne als Partnerlos. Ganz besonders toll zwischen 100 Pärchen. Ich zog dennoch los.

Das Sensimar Royal Blue hat, wie mir das Hotelmanagement versicherte, 38 Pools. 2 davon sind mit Salzwasser, der Rest mit Süßwasser gefüllt. „Nur“ 10 der 38 Pools waren frei zugänglich. Die restlichen 28 waren auf Apartmentparzellen. Ich schaute mir ein paar von außen an. Frisch Verliebte lagen händchenhaltend herum. Ein Traum. Für andere. Als Single hatte ich da nichts zu lachen.
Von den restlichen Pools waren weitere 7 Gemeinschaftspools für bestimmte Apartmentgebäude mit jeweils 4 Einheiten. Die nahm ich mir vor.

An dem ersten Pool saß ein Ehepaar Ende Sechzig und las. Die beiden guckten ganz prima, als ich ihnen einen Guten Morgen wünschte und durch ihren Pool schwamm.

Der nächste Pool war Herren- und Damenlos. Ich kam ungehindert hindurch.

An dem dritten spielte ein Kind mit seiner Mama. Es war die tolle Frau aus dem Restaurant. In Bikini sah sie womöglich noch besser aus. Ich plantschte, bis Papa rauskam. Er musterte die Singleverbrennungen auf meinem Rücken und runzelte die Stirn. Oh, ohh… Schnell weiter.

In Nummer 4 schwamm eine leere Luftmatratze. Hätte ich gewusst, was mich in 5 erwartet, hätte ich mir ein bisschen mehr Zeit gelassen, doch ich sprang rein und raus und dann wurde es tricky, denn in Pool Nummer 5, dann trieb ein etwa 2 Meter großer und 2 Meter breiter Russe, den ich schon am Vortag am anderen Pool gesehen hatte. Er hatte ein riesiges Engelflügel-Tattoo auf seinem Rücken. Was sollte mir das sagen? War er Gabriel? Fuhr er Harley? Hatte er sich das Motiv nach 7 Flaschen Wodka ausgesucht?? Ich überlegte, ob er es merken würde, wenn ich über ihn hinweg liefe, wie einst James Bond über Krokodile, doch im selben Moment hob er den Kopf und schaute mich an. Erst gestern hatte ich gehört, wie er mit seiner Frau sprach und das war wahrscheinlich seine romantische Stimme gewesen. Er brummte ein paar bassige Silben und an dieser Stelle wurde das Poolhopping schlagartig verkürzt.

Ich ließ die restlichen Gemeinschaftspools sein, verbrachte ein paar Minuten an dem zweitgrößten Pool „Silentpool“, an dem nicht gesprochen werden darf. Ergo, waren keine Frauen da, also zog es mich zu meinem geliebten riesigen Salzwasserpool. Ich versackte mal wieder mit Meeresblick, vergaß nicht, die eine oder andere Verhaltensart meiner Nachbarn für spätere Zwecke zu notieren, und buchte den Tag somit als Recherche ab. I love Schriftstellerei.

Abends schwamm ich in die Sonne, als sie unterging. Ein großartiger Tag. Mir fehlte zwar eine gute Frau an meiner Seite, aber ich war sehr zufrieden mit dem Mann. Früher hätte ich den Russen gebeten Platz zu machen, um mir zu beweisen, dass ich ein richtiger Kerl war. Heute war ich lieber glücklich. Seit Jahren gehe ich Stress aus dem Weg und muss sagen: Der Pfad des friedvollen Dänen tut mir gut.

Nach einem schönen letzten Abend mit versch. schönen Verabschiedungen (Eine Putzfrau hatte in der Woche realisiert, dass ich auf die kleinen Schoko-Schweinerein stand, die sie täglich auf das Bett legte, und brachte mir 10 Stück zum Abschied vorbei… Nicht zu vergessen die Restaurantmanagerin, welch ein toller Gang!), lässigem Packen und Schreiben, startete ich den nächsten Morgen mit einem letzten Sonnenuntergang. Der Anblick trug mich durch die ganz Rückreise. Sogar, als ich die Maschine in D. verließ und realisierte, dass ich in Düsseldorf gelandet war…




Kriminacht

Mittwoch, 12. Mai 2010

Neulich kam mal wieder eine ganz andere Nachfrage für einen Auftritt.

Eine Kriminacht mit 5 Krimi-Schriftstellern.

Ich dachte, hm. Eigentlich schreibe ich ja Beziehungsgeschichten. Ich finde zwar Liebeskummer brutaler als Tatort, aber würde das Krimi-Publikum das auch so sehen?Welche Texte sollte ich lesen? Und sollte ich wirklich meine Schreibphase für einen einzelnen Gig unterbrechen? Und würde ich es überleben nach Frank Schätzing auf die Bühne zu gehen, der gerade mit seiner fetten Multimedia-Show das Land aufmischt?

Wie immer hat es sich gelohnt, einfach JA zu sagen. Mir wäre sonst einiges entgangen, denn ich hatte gestern das Vergnügen tolle Kollegen bei der Arbeit (und beim Kölsch) zu erleben. Ich wusste gar nicht, dass deutsche Krimis so sau lustig sind!! Schwer gelacht und mich mit Lesestoff eingedeckt.

Die kann ich alle empfehlen: http://moerderischesvergnuegen.de
Auch live. Es wurde gestern auf hohem Niveau vorgetragen.

Als ich dann als Letzter auf die Bühne ging, passierte das, was ich an LIVE liebe. Zuerst eröffnete unser Moderator Tommy Millhome mir, dass unsere Bands vor 15 Jahren einen Doppelgig auf der Popkomm hatten. Erinnerungen wurden wach und ausgetauscht. Autsch. ,o)

Dann stellte ich fest, dass ich den falschen Anfangstext eingepackt hatte. Ich las ihn dennoch vor und lernte: der funktioniert auch vor Krimizuhörern. Aha!

Schön war natürlich auch, dass ein besoffener Bayernfan auftauchte, und meinte die Veranstaltung unbedingt auf sein 4 Promille-Sha-na-na-na-level runtersingen zu müssen. Ich baute ihn in den Text ein und so hatten wir alle eine Menge Spaß und er war plötzlich künstlerisch wertvoll. Das schockierte ihn so, dass er eine Treppe hinunterfiel und zugleich aus unserem Gesichtsfeld und aus der Geschichte verschwand.
Großer Sport.

Dann saß eine alte Freundin (Sie ist natürlich nicht alt, sondern wir kennen uns bloß länger…) überraschend im Publikum und hatte Geburtstag. Inspiriert durch das Gespräch mit Tommy über die alten Bandzeiten, nutzte ich die Gelegenheit um ein Ständchen zu singen. Ich sang!! Und die Leute blieben im Raum!!!! Ha! Die Zeiten ändern sich!

Mein zweiter Text war dann Krimi. Aber ich dachte, wo wir doch schon so schön beim Improvisieren sind, versuchen wir mal was anderes. Also bat ich jemand aus dem Publikum zum Lesen auf die Bühne und – das war ein Fehler! Der las so gut, dass alle dachten, er gehört zur Show. Schlimmer noch, er war so gut, dass ich danach gehen wollte. Das hat man nun vom Improvisieren.

Jedenfalls überredeten wir mich die letzte Geschichte vorzutragen. Einer meiner Lieblingskurzgeschichten, aus der Zeit, als ich noch kriminalistische Shorties verfasste. Nie veröffentlicht, aber oft zuhause gelesen. Meine kleine Hommage an den großartigen Andrew Vachss. Ich dachte, der Text geht vielleicht in die Hose, weil er so anders ist. Böse. Politisch unkorrekt. Unhappy Ende.

Aber er funktionierte. Und ich hatte während des Lesens einer dieser Glücksflashs, die man bekommt, wenn ein Baby die ersten Schritte macht.

Und zum Schluss ein weiterer Höhepunkt. Ich beweine ja gerne den Misstand, dass ich, wenn ich mit Frauen auftrete, immer zuschauen muss, wie sie Blumen bekommen und ich nicht. Ich meine, he, Männer haben auch Gefühle! UND ICH LIEBE BLUMEN!! Unser Kultveranstalter Uwe A.O. Heinlein nahm sich das zu Herzen und schenkte mir einen schönen Strauss Tulpen. Klasse! Wie ich in der Folgezeit merkte, lernt man mit einem Strauss Blumen in der Hand unglaublich schnell, unglaublich viele Menschen kennen. Das merke ich mir.

Dann wurde signiert und schließlich zogen Künstler & Veranstalter & Teile des Publikums los, was trinken. Nach ein paar Stunden und gute Gespräche, landete ich schließlich auf einer Party und tanzte die Nacht.

Ein schöner Abend.

Eine schöne Nacht.

Und alles ausgelöst, durch ein kleines Ja im richtigen Moment.

Bevor ich mich nun wieder einparke und weiterschreibe, 2 Infos.

1) Heute Abend (7 März) kommt einer meiner wenigen Lieblingssendungen im deutschen TV. „Zimmer Frei“. Gast ist mein Lieblingskabarettist Michael Ehnert. Ich hatte das Vergnügen, ihm die Lobhudelei sprechen zu dürfen und nach Aufzeichnung der Sendung, schön mit Crew, Künstler und Moderatoren ein wenig zu versacken. Auch ein schöner Abend. Ja!

2) Und ich habe noch mal Ja gesagt. Diesmal zum Baumhausverlag. Sprich: Im Frühjahr 2011 erscheint mein erstes Kinderbuch und ICH FREUE MICH SEHR!!! JA!

Und bald wird’s Frühling und dann gibt es Sonne und dann wird gelächelt und dann wird geknutscht und dann sind die Nächte warm und dann kann man draußen schlafen und dann wird unter Sternen getanzt und alles riecht nach Abenteuer. Au ja!

Viel Vorfreude, einen intensiven Frühling und Mut zum Jasagen, wünscht euch

Euer Däne




Winter is cool

Sonntag, 7. März 2010

Ich liebe Jahresanfänge. Alles ist noch so leise und jetzt auch noch dieser Schnee! Großartig!

Ich schreibe in dieser Ruhe, und habe zugleich als Motivation vor Augen, dass es im Frühjahr mit dem NELE & PAUL Taschenbuch und kleiner Promoreise losgeht, und dann im Herbst DIE BESTE ZUM SCHLUSS und mehr Reisen und Kontakte und Augenblicke und … Leben.

In der Zwischenzeit, könnt ihr unter “Schriftsteller” mehr über den Inhalt von DIE BESTE lesen.

Viel Spaß, schönen Winter und, he, bald wirds Frühling!

Michel




Frohes neues Ja!

Montag, 1. Februar 2010

Neues Jahr – neuer Roman! Seit ein paar Minuten liegt DIE BESTE ZUM SCHLUSS beim Verlag. Vielleicht gewöhne ich mich eines Tages an das Gefühl, der Abgabe. Ich hoffe nicht. Es ist jedes Mal ein so verrücktes Gefühl der Unwirklichkeit. Wie Hugh Grant in Notting Hill sagte: „Surreal, aber schön.“ Ich fühle mich, wie Snoopy, wenn er auf seinem Dach steil geht, gleichzeitig bin ich leicht verstört, weil es vorbei ist, und freue mich zugleich, weil nun etwas neues beginnen kann.

Ein wirkliches Problem war diesmal lustigerweise… die Dankesseite.
Ich gebe mir ja immer mühe mit den Dankesseiten, doch adäquat würde ‚mein Danke’ mittlerweile mehr Raum einnehmen, als die Geschichte. Nach langem Kopfzerbrechen, habe ich mich daher für eine spartanische Dankeseitedebütvariante entschieden. Lasst euch überraschen.

So. Und nun belohne ich mich eine Zeitlang mit dummen schönen Handlungen. Danach setze ich mich hin und schreibe hoffentlich schlaue, schöne Empfindungen, die ich bei diesen Handlungen hatte. Recherche, halt. ,o)

Euch einen schönen Winter, und wenn ihr abgedrehte Tanzspuren findet, die an einem Schneehaufen enden, aus dem Schuhe hervorgucken – zieht mich raus und setz mich an den Ofen. Vielleicht liegt da ja auch ein anderer Schriftsteller, der gerade Abgabe hatte. Oder ein Besoffener auf dem Heimweg. Oder einer von John Irvings tanzenden Bären… Himmel, ich muss endlich schlafen.

Vorher noch eines… Wie ich höre, kann man DIE BESTE ZUM SCHLUSS schon überall im Netz vorbestellen. Tut das, wenn ihr Lust habt. Dadurch suggeriert ihr dem Verlag, dass aus mir vielleicht was werden kann und dann machen sie noch mehr Werbung und dann denken die Buchhändler vielleicht, dass aus mir möglicherweise was werden kann und dann bestellen sie mehr Bücher, und dadurch schieße ich vielleicht auf die Bestsellerliste und dann glauben eventuell noch mehr Menschen, dass ich vielleicht was kann und kaufen meine Bücher, obwohl ich „der Mann, der über Liebe schreibt“ bin, „was Mann Frauen überlassen sollte“, und dann, tja dann wird vielleicht noch mehr aus mir. Hey!

Und da 2009 vorbei ist, an dieser Stelle rückblickend einen schönen Gruß an den Lesungsbesucher, der nach der Leseshow in Braunschweig? Hamburg? zu mir kam und mir freudestrahlend erklärte, dass er meine Bücher lieben würde, dies aber niemand sage, da er sich sehr freue, dass ich immer noch so unbekannt wäre, weil Erfolg die Leute ja verändere, und er wolle lieber, dass ich so bleibe und weiterhin so schreibe.
Vielen Dank. Ich weiß, wann man mir ein Kompliment macht.

Ein RIESEN Kompliment an die Lübbevertreter. Egal wo ich auf der Lesereise Buchläden betrat, so traf ich dort oft auf Birbæk-Lesetische, auf die ich mich am liebsten draufgelegt hätte, um mit meinen Babys zu schmusen. (Ich muss wirklich schlafen, sagte ich schon, ja?) 2009 sind die Buchverkäufe noch mal sprunghaft angestiegen. Etwas, was mich sehr freut. Schön, dass immer mehr Menschen offen sind, für Liebesgeschichten dieser Art.

Passend dazu, meine Lieblingsliverezi 2010. rezi Vielen Dank auch an die Veranstalterin und ihrem großartigen Team, und der liebevollen, schnapslastigen Künstlerbetreuung nach einem langen miesen Anreisetag mit der deutsche Bahn. Mittlerweile beträgt die Lesezeit in meinen Leseshows keine 30 Minuten mehr, was mir ein bisschen Ärger und sehr viel Freude bereitet.

Und zum Schluss… ihr. Fremde Menschen, die manchmal sehr schnell unfremd wurden. Tak und vielen, vielen Dank für Gästebuchdoping, Mails, überraschende Postpakete, Drinks und Augenblicke. Danke an das Pärchen, das mich in Urlaub einlud. Und an die Frau, die sich in der Bahn von mir ein Sybille Berg Roman signieren ließ. Und die Bänkerin, die mir zinslose Mikrokredite erklärte. Und den Journalisten auf der Pressereise durch Dänemark. (Und dem Kamerateam!) Und dem dänischen Kulturinstitut, und meinem Booker, auch für den Ausritt in die Schweiz, und dem halbimprovisierten vollgefühlten Auftritt in Heidelberg, dem unvergesslichen Open-Air-Gig in Mainz, dem Veranstalter in Kellinghusen, und natürlich der Lübbe-Mannschaft, mit der ich reiste, stritt, tanzte, lachte, und tatsächlich manchmal zu Null spielte!!

Das Leben ist manchmal schräg, und nicht alle haben es 2009 geschafft. Aber wir haben noch ein Jahr geschenkt bekommen. Ich freue mich. Leben is gut.

Ich sollte mich jetzt wirklich hinlegen.

Nur noch eines… DANKE für 2009! Ich freue mich auf 2010!

Bis bald…

Ein schlaftrunkener, euphorischer Däne




Die erste und letzte JVA-Lesung

Samstag, 12. Dezember 2009

Mit der Einstellung meistens einfach Ja zu sagen, habe ich mir schon eine Menge Spaß eingehandelt. Dazu Liebe, Augenblicke, Gespräche, Reisen, Begegnungen und andere großartige Erfahrungen. Doch manchmal ist die Entscheidung falsch.

So neulich.

Ich wurde angefragt, ob ich vor einer Lesung, einen Auftritt in der 5 Kilometer entfernten JVA machen würde. Ich sagte Ja. Überall schon gelesen, aber im Knast nie. Neue Erfahrung, also los. Leider vergaß ich zu fragen, wer da drin sitzt und kurz vor dem Auftritt realisierte ich, dass es circa 100 Sexualtäter waren, die Hälfte davon lebenslänglich.

Ich kann Skinheads verstehen, wenn auch nicht ihre Dummheit und Aggressionen gutheißen… Ich kann für manche Mörder Verständnis aufbringen, sogar, wenn die Sache mein Leben betrifft… Ich kann Bänker und andere Gierjunkies verstehen, aber nicht ihre Haltung, dass das System Schuld sei. Mit ähnlichen Aussagen, Ich habe nur Befehle befolgthaben sich damals Nazis rausgeredet… Wenn ich mich bemühe, kann ich alles verstehen.

Pädophile und Vergewaltiger will ich aber nicht verstehen. Ich könnte vielleicht, aber ich möchte es nicht. Und ich muss auch nicht. Ich will sie einfach scheiße finden und hassen. Wegen all den Frauen auf der Welt und den vielen Freundinnen von mir, die von diesen Arschlöchern vergewaltigt, beschmutzt, benutzt und seelisch verstümmelt worden sind.

Als ich neulich Abend begriff, dass ich gleich vor der Menschengruppe auftrete, die ich am meisten verachte, hatten sich bereits mehrere Eisentore hinter mich geschlossen. Was jetzt? Zicken oder Durchziehen? Wie immer…

Ein stranger Abend. Gitter, Wachpersonal, Eisentüren, keine Fenster, doch das Publikum, circa hundert männliche Insassen und 3 Frauen vom Personal, wurde unterhalten. Ich erzählte von meiner Kindheit und meiner Ausfahrt Kunst. Viele meiner Jugendfreunde sitzen im Knast oder sind tot, doch weil ich Musik- und später das Schreiben entdeckte, gehöre ich nicht dazu. Vielleicht kam das bei dem einen oder anderen an. Vielleicht. Was aber ganz sicher ankam, war die Erkenntnis, als ich anschließend völlig überdreht zur nächsten Lesung fuhr, ICH MACHE NIE WIEDER WAS FÜR TÄTER!

Ich werde nie wieder einen Finger für Täter krümmen. Vielleicht ne Faust. Aber keinen Finger. Ich möchte mich verstärkt für Opfer einsetzen. Sowohl. Als auch. Ich werde das Honorar der JVA-Lesung für den Weißen Ring spenden. Wenn ihr weitere schöne Ideen habt, wie ich helfen kann, inspiriert mich bitte.

Danke.

Apropos Danke.

Eine Freundin, die sich von Tätern nicht brechen ließ, schrieb mir neulich: Ich hoffe, das Wort Danke nutzt sich nicht ab. Groß. Nein Süße, das Wort erwischt mich immer wieder voll. I love Danke! Und die Gründe dafür. Und die Anlässe. Und die Motivation.

Mads, der Protagonist in meinem neuen Roman, sagt: Helfen hilft! Und anschließend sagt dann meistens auch noch jemand danke zu dir.

Und ich mal wieder zu euch. Das Gästebuch ist ein warmer Ort, dank euch. Die Mails die ich bekomme, sind zum Teil unbeschreiblich. Ehrlich, warm und schön. Und manchmal so perfekt getimt, dass ich denke, ihr habt ne Webcam in meiner Wohnung. Gerade in den letzten Wochen wurde ich extrem beschenkt. Es bedeutet mir viel. Und ich, der Konzerte hasst, in denen die Künstler irgendwann sagen, I love you all! oder ganz Westernhagenerisch: Ihr seid geil! möchte euch sagen: ……………………………………………………… Danke.

Michel




Newsletter…

Donnerstag, 26. November 2009

Ihr Lieben,

wundert ihr euch, wieso ihr so selten einen Newsletter von mir bekommt?

Zum einen möchte ich euch nicht zuspammen.

Zum anderen sollen Newsletter ja Neuigkeiten transportieren und so viel Neues gibt es in Schreibphasen nicht zu berichten.

Eins dann doch… Das nächste Baby ist in der ersten Fassung!

Jetzt beginne ich mit der ersten Überarbeitung, sprich, das Einarbeiten aller Dinge, die mir beim ersten Durchlesen aufgefallen sind. Das dauert 1 Monat. Dann bleibt es 2 Wochen liegen, dann kommt die nächste Überarbeitung usw. Das geht so lange weiter, bis der Verlag mich zwingt, das Manuskript abzugeben, dann geht das Lektorat los und der Druck und dann… ja, dann… dann erscheint es im August.

Der Titel ist…

DIE BESTE ZUM SCHLUSS

Es gibt keinen perfekten Augenblick für Liebe – außer, man macht einen perfekt!

In diesem Sinne… Eine schöne Zeit mit Augenblicken, wünscht euch

Euer Däne

PS: Bezüglich der vielen Anfragen zur Buchmesse. Ich werde in Frankfurt nicht dabei sein können. In Leipzig dann wieder.

PST: Und danke für Mails, Gästebuchdoping und mehr. Danke. Wird alles zu Zeilen.

ACHTUNG!!!! Durch einen Computerselbstmord sind alle Newslettereintragungen zwischen 01/09-15/10 2009 verloren gegangen. Wer sich in der Zeit eingetragen hat (und den CSM nicht für ein Zeichen hält…), der muss sich noch mal eintragen, um in die Newsletterliste aufgenommen zu werden. Danke. Und Tschuldigung.




Sommerüberraschungen

Dienstag, 29. September 2009

Als Dankeschön und Signal an meiner neuen Heimat, wollte ich deutscher Staatsbürger werden. Zu meiner Überraschung musste ich feststellen, dass es keine doppelte Staatsbürgerschaft gibt. Wirklich merkwürdig, wie eine solche Information an mir vorbeiziehen konnte… Peinlich.
Ich müsste also meinen dänischen Pass abgeben, um einen deutschen zu bekommen. Auch peinlich, denn das geht nicht. Ich kann nicht zu meinem Geburtsland, in dem meine gesamte Familie lebt, Nein sagen, um zu meinem Lebensland Ja sagen zu dürfen. Wer sich das ausgedacht hat, kann gerne noch mal in Klausur gehen.

Eine weitere Überraschung…
Klar, das Wetter. Immer wieder überraschend, dass es Sommer wird und man es kaum merkt. Aber. Als Däne fühlt man sich ja sofort heimisch, wenn’s durchregnet. Anscheinend bemüht sich in Deutschland das Wetter um meine Integration! Na, vielen Dank.

Eine schöne Überraschung…
… war der WDR-Beitrag von WESTART über NELE & PAUL. Schön gemacht, sweete Bilder und die richtigen “Kommentare”. Als plötzlich auch noch Livebilder meiner Ex-Band auftauchten, wusste ich, hier hat jemand sehr gründlich recherchiert. Leider kann man diesen Beitrag aus rechtlichen Gründen nicht posten. Aber vielleicht findet ihr ihn irgendwo im Netz…

Jetzt nutze ich die Sommerpause um zu Schreiben und der erste Romanflash war schon da. Voll rein und Tagelang nicht mehr raus. Ah, ich liebe das. Das gibt’s wirklich nur beim Romanisieren und ich habs vermisst. Also, tauche ich jetzt ab ins Buchstabenland.

Einen schönen Sommer voller schöner Überraschungen, wünsche ich euch!

Michel




P & Ps…

Mittwoch, 10. Juni 2009

Junge, Junge, war das spannend. Mit 2 verschiedenen Programmen auf Tour zu sein, war neu für mich, aber alles lief super. Klasse Publikum, wunderschöne Reaktionen, großartige Locations, fette Presse, und, natürlich, die P&Ps.

P&P…?
Blacky Fuchsberger verriet mir einmal seine geheimen Moderationstipps: Pannen & Pausen. Und, he, ersteres habe ich voll drauf! Von Stolpern auf der Bühne, bis zu falsche Einspieler im entscheidenden Satz, Texte (zuhause) vergessen, oder im Presseshooting aus einer durchgeschüttelten Wasserflasche (Kohlensäure) zu trinken… Pannen nerven, aber gleichzeitig sind es auch die Dinge, auf die man mit am meisten angesprochen wird. Also schwör ich aufs Blacky-Konzept und das tolle ist, ich muss gar nichts dafür machen, die P&Ps kommen ganz von alleine… ,o)

Jetzt geht es übergangslos wieder ins Schreiben. Mal schauen, wie lange es dauert, bis ich runterkomme… reinkomme… draufkomme… Hoffentlich muss ich nicht erst Wochenlang den Ansatz, Anfang, Eingang suchen. Ich freue mich schon seit Wochen auf den Tag, an dem ich mich an den Rechner setze, und meine neue Romanwelt öffnet sich vor mir und saugt mich ein. Hmmmm….

Bevor ich in die Nichtöffentlichkeit versacke, möchte ich mich noch mal bei euch bedanken. Für den Besuch … für die vielen schönen Anregungen… Vorschläge… Rückmeldungen … Angebote… Vielen, vielen Dank. Das tat und tut gut. Ich nehme es mit ins Schreiben. Danke. Und bis zum nächsten Mal. Hoffentlich bald. Ich freue mich drauf. Sehr. Hmmm. Danke. Hab ich schon gesagt? Danke, Danke, Danke.

Einen schönen Sommer wünsche ich euch!




Schriftstellertage

Donnerstag, 30. April 2009

Hab heute nichts zu sagen. 

Es hat mir nicht einmal die Sprache verschlagen. 

Ich wachte auf und …. leerer Kopf.  

Ein stiller Tag.

Ohne Worte.

Mein Kopf ist stumm.

Wäre heute das perfekte Vorstandsmitglied.

Sprachlos hat man plötzlich viel Zeit zum Gucken.

Und Zuhören.

Und Nachdenken.

Vielleicht reden manche Leute deswegen so viel.

Vermeidungsstrategie.

Oder Bühnenshow.

Auf der Bühne muss man reden, sonst wollen die Leute das Eintrittsgeld zurück.
Außer man ist Pantomime.
Und das wollen wir ja nicht.
Dafür rede ich auch zu gern.
Aber um Schreiben zu können, muss ich erst beobachten, was mich zum Nachdenken bringt, was mich zum Schreiben zwingt. Und das passiert, wenn ich nicht rede.

Also spreche ich heute nicht.

Und warte, was passiert.

Wohlwissend, dass es passiert.

Schriftstellertage.

Ich liebe sie.




Buchmesse(r) Leipzig

Donnerstag, 9. April 2009

Jedes Mal, wenn ich von einem Buchmesser nach Hause komme, bin ich noch tagelang hochgetaktet, wie früher, nach einer Tour mit der Band. 1000 schöne Augenblicke mit Kollegen, Lübbe-Mitarbeitern, Lesern, und Fremden. Es macht einfach Spaß, Kollegen zu ihren Shows begleiten und lernen… direktes Feedback von Lesern zu bekommen… viele Impulse, Tipps und Infos von den Verlagsmitarbeitern zu erhalten… Und trotz aller  Termine und Meetings tagsüber, finden die wichtigen Gespräche dann doch gerne Nachts an den Theken statt – was ich ebenfalls sympathisch finde.

Jemand nannte die Buchmesse einst “das Oktoberfest für Intellektuelle.” Super Spruch! Wenngleich, er nicht zutrifft. Auf der Buchmesse haben die Leute Umgangsformen, sind besser angezogen und benutzen gerne ihr Gehirn. Außerdem wird viel mehr gesoffen. ,o)

Eine Lesung hatte ich auch. Der Raum war nicht optimal, aber das glichen die Besucher aus, und die Tatsache, dass viele von der Lübbe-Belegschaft vorbeischauten. Es ist wirklich schön, wenn man als Schriftsteller merkt, dass der Verlag sich dafür interessiert, was man, außer Schreiben, noch so macht. Das klingt vielleicht merkwürdig, aber nur, bis man weiß, dass die großen Verlage jedes Jahr hunderte Autoren veröffentlichen und fast jeder Autor natürlich gerne “betreutes Leben” hätte. Da fehlen jedem Verlag schlicht die Kapazitäten. Aber ich kann mich echt nicht beschweren. Von hier aus, einen FETTEN Dank an alle Lübbianer, inklusive Außendienstler & Azubis – ihr seid süßer als Zucker!

Was gibts noch zu berichten… hm… tja, manche Geschichten unterliegen leider der Schweigepflicht, andere … auch.
Ach ja, ein weiterer Clou: Ich saß bei der Lesung vor einer Heizung und verlor 3 Kilo in 90 Minuten. Diät-Lesen. Das kommende Ding.
Was noch? Hm…ach so, ja, Nele & Paul wird für den Deutschen Buchpreis 2009 vorgeschlagen.
WAS???!! SAG DAS NOCH MAL!!!
Jedes Mal, wenn ich von einem Buchmesser nach Hause kom-
DAS DOCH NICHT, DU PAPPNASE! DAS MIT DEM PREIS!!!
Nele & Paul wird für den Deutschen Buchpreis 2009 vorgeschlagen.

Ich muss sagen, dass mich das schwer getroffen hat. Klar, das Buch wird weder gewinnen, noch auf die “Longlist” oder “Shortlist” kommen, aber für einen – Achtung, der Autor zieht die Migrantenkarte – Menschen, der ab 12 erst mal die Sprache lernen musste, ist alleine schon dieIdee für einen deutschen Literaturpreis in Betracht gezogen zu werden, ein innerliches Erdbeeressen. Ich freue mich sehr. Sehr. 

In diesem Sinne, wünsche ich euch einen ebenso schönen Tag.

Michel