Was mich fertig macht ist nicht das Leben, sondern die Tage dazwischen
Mittelfeldkrise
Wenn das Leben ein Strand ist, sind Frauen das Mehr
Beziehungswaise
Nele & Paul
Die Beste zum Schluss

Nele & Paul

Das ist das Problem an der großen Liebe – sie versaut einen für die Kleinen.

Eines Nachts schrieb ich diesen Satz auf einen Bierdeckel und wusste: Das ist es. Das ist die nächste Geschichte, die ich schreiben werde. Die große Liebe, die den Anspruch so hoch schraubt, dass man die kleine Liebe nicht mehr genießt.

Ich brauchte ewig um über meine erste große Liebe hinwegzukommen. Noch 3 Beziehungen später, war ich immer noch voller Hoffnung auf eine zweite Chance. Doch was, wenn ich sie bekommen hätte? Hätte ich auch diese versaut? Oder hätte ich es diesmal besser hinbekommen? Und wenn ja, wie? Was hätte ich anders gemacht…?

Ich begann zu schreiben und die Fragen/Ideen sprudelten nur so raus. Schon bald wusste ich, dass ich mit dieser Geschichte aus meiner Gegenwart/Großstadt raus, in meine Vergangenheit/Dorfgegend gehen würde. Der Protagonist sollte auch nicht einen meiner wirklichen Jobs haben, wie bisher Tacheles (Musiker), Viktor (Drehbuchschreiber) und Lasse (Comedian). Stattdessen sollte er etwas sein, dass ich vielleicht geworden wäre, wenn alles anders gekommen wäre…

Zudem hatte ich wieder mal die Trilogie von Djian gelesen und liebte die Szenen, die lange Zeit nur ER schreiben konnte…. dieses, vom Leben betrunken im Garten sitzen, den Himmel über sich, eine Beziehung hinter sich, kein Ziel vor sich, bloß den Augenblick genießend, bis… bis das Leben ihn zwingt, in dieser einen kleinen Sache etwas zu unternehmen – und alles aus den Fugen gerät.

So entstand die Geschichte vom Dorfpolizisten Paul, der auf dem Land mit seiner behinderten Mutter lebt, seiner großen Liebe nachtrauert und eine möglichst ruhige Kugel schiebt, während er Affären mit den Frauen seiner Häftlinge hat. Doch dann kommt sie wieder… Nele. Plötzlich ist alles wieder wie früher - die Liebe, die Vertrautheit und das Gefühl absolut richtig zu liegen. Doch Nele hat sich verändert. Irgendwas ist mit ihr passiert. Paul beschließt mit ihr fortzugehen, er muss vorher nur in dieser einen kleinen Sache etwas unternehmen…

Diese “Phillipe-Djian-Hommage“ schickte ich an den Verlag und die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Klasse! Du bist der deutsche Nick Hornby!
Eine Aussage mit der man wirklich leben kann, aber soviel zu meinem Hommagetalent.

Ein Wort zu den Figuren…
Ich denke noch Jahre später manchmal an bestimmte Roman-Figuren, wenn ich etwas bestimmtes sage oder tue. Aber ein paar sind mir ganz besonders ans Herz gewachsen. Unter ihnen sind Far und Mor. Das sind die dänischen Rufnamen für Vater und Mutter. Ich hatte das Glück tolle Eltern zu haben. Sie passten zwar nicht richtig zusammen, aber jeder für sich waren sie groß.
In “Was mich fertig macht…” & “Beziehungswaise” habe ich meinem geliebten Far ein “Denkmal” gesetzt.
In “Nele & Paul” ließ ich dann endlich meine Mutter zu Geltung kommen. Meine taffe, schräge Mor, die vom Schicksal gebeutelt wurde und dennoch immer ein Grund fand, zu lachen.

Beim Schreiben fielen mir tausend Dinge ein, die wir zusammen gemacht hatten oder Eigenarten von ihr. Zum Beispiel, rief sie mich bis zu ihrem Tod wöchentlich an, doch statt etwas zu sagen, begann sie zu singen. Wir sangen ein dänisches Lied zusammen, sie legte auf und mein Tag war ein anderer.
Für all die gemeinsamen Geschichten, die mir beim Schreiben von “Nele & Paul” einfielen, bin ich sehr dankbar. In welchem Beruf hat man sonst die Möglichkeit sein Leben und seine Lieben so exzessiv zu reflektieren und wiederauferstehen zu lassen. I love Schreiben.

Ein Wort zu Eltern…
Ein guter Vater oder eine gute Mutter zu sein, ist in meinen Augen einer der größten Herausforderungen, der man sich im Leben stellen kann. Dennoch existiert - soviel ich weiß - auf der ganzen Welt kein einziges Denkmal für Eltern. Klar, die Kinder. Aber trotzdem, ich würde es wirklich begrüßen, wenn die Leistung vieler Eltern mindestens ebenso honoriert werden würde, wie die der Hochleistungssportler, denn ein Kind gut zu erziehen, ist nicht nur härter als die Tour de France - sondern auch viel wertvoller für die Gesellschaft.
Doch egal wie großartig die Kinder wurden, keine Mutter und kein Vater erhielt je das Bundesverdienstkreuz wegen guter Erziehung. Gandhis Eltern ebenso wenig, wie Einsteins. Und so liegt es wieder an uns.

Ich würde mich sehr freuen, wenn der eine oder andere, Lust bekäme, mal wieder zu seinen Eltern zu gehen und danke zu sagen.

Danke.