Erinnerung an meine Bonusmutter.

Dienstag, 3. Februar 2015

Erinnerung an meine Bonusmutter.

Grete war die letzte Freundin meines Vaters und die Frau, nach der ich meinen letzten Roman benannte, weil Far sie oft angrinste und dann laut „Die Beste zum Schluss!“ ausrief. Dann strahlte sie verlegen und er grinste so breit, dass man seinen Goldzahn sah. Die beiden waren süß miteinander und ein guter Beweis dafür, dass man über die Hälfte seines Lebens Pech in der Liebe haben- und dass sich das dann trotzdem noch schlagartig ändern kann.

Grete. Meine Bonusmutter, wie Stiefmütter in Dänemark so schön genannt werden. Eine Frau, die gerne lachte und von der man Bescheidenheit lernen konnte, ohne dass sie es wusste. Wir haben immer viel miteinander geredet. Dennoch habe ich ihr nicht alle Fragen stellen können. Es hört ja nie auf. Noch heute denke ich manchmal, he… Aber das geht nun nicht mehr.

Heute wäre Grete 95 geworden. Ich freue mich sehr, dass ich sie kennen gelernt habe und bin so froh, dass ich ihr das ausführlich mitteilen konnte, bevor sie starb.
Dasselbe wünsche ich euch für eure Eltern, Bonuseltern, Freunden und Lieben, denn ein Manko der Menschheit ist es zu glauben, dass man für solche Sachen immer noch reichlich Zeit hat. Davon ab, ist Liebe ein verrücktes Ding – je mehr man sie (mit-)teilt, desto größer wird sie.

In diesem Sinne, danke ich euch allen für alles in 2014 – und freue mich sehr auf 2015…

Guten Rutsch und alles Liebe!

Michel

 




Der Glaube nach Paris

Montag, 12. Januar 2015

Der Glaube.

Vielleicht ist der Paris-Anschlag ein guter Anlass, um generell über den Sinn und Nutzwert von Religionen nachzudenken.

Ich fühle mich öfters von dem lauten Glauben anderer belästigt. Angefangen von banalen Dingen, wie Fußballer die auf dem Platz beten, Kirchenglocken am Sonntagmorgen, oder das Wort zum Sonntag, über Kirchen für die ich Steuern zahlen muss, obwohl ich vor 30 Jahren ausgetreten bin, Kirchen die Frauen hassen und die Pädophile nicht nur tolerieren, sondern sogar beschützen, Religionen die sich über die Menschenrechte erheben, Kirchen die mit den Nazis und der Mafia paktiert haben und die aus Machterhalt Geschichtsbücher gefälscht haben, bis hin zu Fanatiker, die im Namen ihrer Religion Andersdenkende unterdrücken, foltern und töten.

Wenn wir in Deutschland die Nationalsozialisten dafür hassen, was sie der Welt angetan haben, wie können wir dann den Religionen vergeben? Im Namen Gottes wurde in den letzten 2000 Jahren mehr Menschen getötet, als von allen Diktatoren zusammen. Regelmäßig werde ich mit Aussagen & Handlungen von Religionsführern und deren Anhängern konfrontiert, die so rückständig, Frauenfeindlich, Homophob und hasserfüllt sind, dass ich mich nur noch wundern kann, dass ihnen immer noch so viele Menschen folgen.

Ich wünschte, Gläubige wären Andersdenkenden gegenüber, ebenso tolerant, wie ich ihnen gegenüber sein muss – und möchte. Ich kenne friedliche Menschen, die zutiefst gläubig sind und ich sehe, wie wertvoll ihnen ihr Glaube ist – und das respektiere ich. Doch mich überrascht immer wieder ihre absolute Überzeugung. Glaube ist ja ein Glaube – kein Wissen. Daher ist mein Vorschlag: Religionen auf den Prüfstand. Nach 2000 Jahren mal wieder zum TÜV kann ja nicht schaden…




Konzert des Jahres 2014

Dienstag, 9. Dezember 2014

Tony Bennett. 18/09/2014. Berlin. Admiralspalast.

Als er 13 war, begann der zweite Weltkrieg. Als Elvis starb, war er 51. Bei Sinatras Beerdigung 72 und jetzt, noch mal 16 Jahre später, kam er nach Berlin.
Ich hatte Angst und versuchte mir einzureden, dass ich nur wegen der Reminiszenz hinfuhr. Mir fielen noch mehr Fremdwörter ein, aber die Erwartungen runterzuschrauben änderte nichts: Ich wusste, ich würde mit ihm leiden, wenn er versuchte die alten Zeiten aufleben zu lassen. Kein Mensch kann mit Achtundachtzig das, was er mit Dreißig, Vierzig oder gar Fünfundfünfzig konnte.

Ich höre Tony Bennetts Platten oft und da ist seine Stimme voller Kraft. Ich wollte sie so in Erinnerung behalten. Aber zu Bennetts Songs habe ich schon alles gemacht, was ein Mensch zu Musik machen sollte. Er passt zu jedem Gefühl, jedem Anlass, sogar zu jeder Jahreszeit. Ein Allrounder, der vielleicht sogar an die Oper gehört hätte, aber in der Hochzeit von Swing aufwuchs, und dennoch bis heute ein Jazzer geblieben ist. Er hat mir schon so viel Freude geschenkt, also kaufte ich mir eine Karte und redete mir ein, dass ich ihn einfach mal sehen wollte, solange das noch ging.

Der Saal war ein stilvoller Klassiker, genauso wie die Siebzigjährige, die neben mir saß. Sie hatte Bennett bereits zehn mal live gesehen, das erste Mal in der Carnegie Hall, kurz vor meiner Geburt. Dann begann das Konzert. Tony Bennett kam wunderbar auf die Bühne und lieferte sofort Töne, die ich ihm nicht mehr zugetraut hatte. Als würde er allen zeigen wollen, ich bin noch da. Ich traute dem Braten nicht, doch er machte so weiter, gab von Anfang an alles. Klar, Achtundachtzig. Er transponierte die Songs tiefer, sang nicht mehr bei jedem Lied das hohe offene Ende aus, dennoch, ein feines Konzert, wunderbare Atmosphäre, richtig gute Musiker, schöne Kompositionen und Ansagen aus einer Zeit, als Ansagen noch Kultur waren. Ich genoss den Abend und verdrückte ein Tränchen, als er das letzte Lied sang, das ich mit meinem Vater zusammen gesungen hatte, bevor er starb.

Nach einem letzten Klassiker ging Bennett nach 90 Minuten von der Bühne. Standing Ovations. Ein wirklich schöner Abend. Die Siebzigjährige nickte mir mit nassen Augen zu, während wir applaudierten. Unser Tony lebte.

Dann kam Zugabe eins. Die Stimme schon etwas müde. Egal, er gab alles, wirklich alles. Er schonte niemanden, wir durften seine Grenzen erkennen und liebten ihn dafür, dass er sich uns auslieferte, gosh, wer macht das schon noch mit Achtundachtzig?? Dafür standen wir genauso auf, wie nach Zugabe 2 und dann kam Zugabe 3. Bennett war jetzt 20 Minuten drüber, es ging Richtung zwei Stunden Konzert und bei einem Ton in dieser Zugabe, ging ihm bereits die Puste aus, aber, verdammt, er versteckte sich immer noch nicht. Seine Ehrlichkeit, seine Nacktheit, seine Haltung – dafür bekam er vom Admiralspalast die emotionalste Standing Ovation, die ich jemals erlebt habe.

Danach schüttelte er Hände. Das Konzert war vorbei, der Abend perfekt zu Ende gegangen, auf dem absoluten emotionalen Höhepunkt. Die ersten Zuschauer gingendoch Bennett zeigte an, dass er noch eins singen wollte. Die vierte Zugabe begann, aber irgendwas störte ihn, er war anscheinend unzufrieden mit dem Sound oder vielleicht auch nur damit, dass ihn manche für sterblich hielten, also legte er das Mikrofon weg…

… und dann besang dieser Achtundachtzigjährige den Admiralspalast unverstärkt.

Auf einmal war seine Stimme wieder voll da, als wäre die Technik sein Feind gewesen, vielleicht war es auch nur die Ur-Kraft seiner Stütze, die jetzt roh und ungebremst heraus durfte. Nein, es war nicht leise im Saal, man hätte keine Stecknadel fallen hören können, Menschen gingen, Türen klappten, jemand motzte jemanden an, doch vorne am Bühnenrand stand ein Mann, der bereits 54 war, als John Lennon vor 34 Jahren starb, und sang aus voller Seele den letzten Song des Abends, als sei es der letzte Auftritt seines Lebens. Ich klammerte mich an die Hand der Siebzigjährigen und wir weinten vor Freude. Und dann war es vorbei.

Nochmals Standing Ovation, diese eher dankbar und befriedigt. Tony Bennett ging mit der Band ab, die Bühne leerte sich, der Saal auch – die Menschen nicht. Viele kamen lächelnd und Kopfschüttelnd aus dem Saal, als hätten sie ein Wunder erlebt und vielleicht hatten wir das ja.
Ich brachte die Siebzigjährige zum Taxi. Bevor sie einstieg, sah sie mich an und sagte: „Danke.“
Mehr Fazit geht nicht.




2014 Cømic

Dienstag, 6. Mai 2014




Gerührt…

Donnerstag, 21. November 2013

Nachdem in letzter Zeit wieder verstärkt Wein, Einladungen und wunderbare Briefe im Büro eingetroffen sind, wollte ich euch kurz was sagen:

IHR RÜHRT MICH!

Ich habe meine ganze Liebe, Aufmerksamkeit und Kraft in die Romane gesteckt. Vielen, vielen Dank, dass ihr das zu würdigen wisst. Die nicht abreißende Gästebucheinträge, die so persönlichen Briefe, die Care-Pakete, die Einladungen und und und. Es ist nicht normal, dass man Jahre nachdem ein Buch erschienen ist, noch so wundervolle Rückmeldungen bekommt.  Jedes Mal halte ich kurz mein Leben an und atme durch. Ihr freut mich sehr und ich weiß keine angemessene Antwort darauf, außer immer wieder das eine…

D A N K E.

Michel




Zum 5ten Todestag von Paul Newman.

Freitag, 18. Oktober 2013

Er war nicht nur einer meiner Lieblingsschauspieler, sondern auch ein Vorbild. Mehr als 50 Jahre lang, engagierte er sich für Bürgerrechte und gründete unzählige soziale Projekte. Als mehrfacher Oscar- und Golden Globe-Preisträger, bezeichnete er es als einer seiner besten Auszeichnungen, dass er auf Präsident Nixons berüchtigter Feindesliste stand. (Rang 19)

Solche Vorbilder waren früher unheimlich wichtig für mich und ich würde mich freuen, wenn unsere Prominenten sich ein Beispiel an Paul nehmen würden. Von vielen Promis weiß ich, dass sie sich sozial engagieren, aber von wem weiß man, wofür er politisch steht?
Ist eine unbequeme politische Meinung zu einem No-Go geworden? Jedenfalls habe ich das Gefühl, dass es mehr politisch engagierte Stars gab, als ich klein war.

Was ist diesbezüglich eigentlich mit unseren geliebten Sportlern los?
Die Fußballer nehmen einen Großteil der Medienaufmerksamkeit ein. Warum will mir dennoch kein einziger Kicker einfallen, der für irgendetwas politisch Relevantes steht? Natürlich sind alle bei der Fifa-Vorgabe „Gegen Rassismus“ dabei. Aber wann hat ein Fußballer mal irgendwas Unpopuläres hinterfragt?
Wie viele Millionen muss man im Jahr verdienen, bis man sich eine kritische Meinung erlauben kann?
Auch wenn dann vielleicht ein paar Sponsoren abspringen sollten, vielleicht kommt ja dann etwas Wertvolleres hinzu…

Dieselbe Frage geht übrigens auch an unsere TV-Promis und alle anderen Prominenten.
Klar, the Show must go on und es kann nicht jeder so toll sein, wie Konstantin Wecker. Die Welt geht auch nicht unter, wenn man mal bei einer McDoof- oder einer BLÖD-Kampagne mitmacht, aber es wäre wichtig, ein bisschen mehr gesellschaftlich Relevantes von unseren Promis zu hören, weil sie für die Jugend heute genauso Vorbilder und Orientierung sind, wie Paul Newman es damals für mich war.

Daher die Bitte und der Aufruf:

Liebe Prominente,
nutzt euren Bekanntheitsgrad um das Volk zu informieren und zu politisieren. Seid den nachfolgenden Generationen Charakter-Orientierung und damit ein Gegenpol zu all den Spakken.

 

Danke.
Michel, in Gedenken an Paul Newman.




Nachtrag zur Bundestagswahl 2013.

Donnerstag, 26. September 2013

Nachtrag zur Bundestagswahl 2013.

Was war das spannend und lehrreich gestern. Danke noch mal an alle, die mitdiskutiert und informiert haben. Hat Spaß gemacht!

Ärgerlich ist die niedrige Wahlbeteiligung, aber ich freue mich über einen friedlichen Wahlabendverlauf, und staune über die Leidenschaft mit der viele Menschen Politik diskutieren. Das finde ich außerordentlich inspirierend. Danke noch mal an alle!

Auf zur Parteienbewertung. Ich fange mit den Siegern an, wobei gestern keine Partei, sondern eine Person gewählt wurde.

 

CDU.
Bis zum Ende des Wahlkampfs, habe ich nicht heraushören können, ob die CDU ein Wahlprogramm hatte. In allen Diskussionen hieß es nur „Mutti wird’s schon packen.“ Und richtig, Merkel hat es wieder geschafft. Wieso auch nicht? Ich gewinne auch jeden Schwergewichtsboxtitel, wenn ich alleine in den Ring steige. Allerdings steht sie auch für den furchtbaren ESM-Deal, den immer noch anwährenden Afghanistankrieg und ein Bankensystem, welches seit der Lehmannkrise alleine durch Steuergelder überlebt, ohne das da Änderungen in Sicht sind. Mehr als 40% der Deutschen ist das anscheinend egal.
ERSTAUNLICH.

 

SPD.
Die ehemalige Partei für die Arbeiterklasse. Was sie jetzt ist, habe ich ebenfalls nicht herausfinden können. Was der Spitzenkandidat Steinbrück im Wahlkampf vorhatte, auch nicht. Viele Fußballspiele werden im Kabinengang entschieden. Die Taktik scheint Merkel bei der SPD angewendet zu haben. Steinbrück wirkte, als hätte er sich schon vor Spielbeginn seinem Schicksal ergeben. Dazu kommt eine nicht wahrnehmbare Oppositionsarbeit der letzten 4 Jahre.
ENTTÄUSCHEND.

 

DIE LINKEN
Sind immer noch aus der PDS hervorgegangen und damit irgendwie auch aus der SED. Verjährt die politische Herkunft der Stammwähler irgendwann, wie der einst so hohe NSDAP-Anteil in der CDU? Ich hoffe es, denn DIE LINKEN ist die einzige Partei, deren Oppositionsarbeit und Abstimmverhalten ich entdecken und mögen kann. Außerdem, was soll ich machen, ich liebe es Gysi sprechen zu hören.
WEITERMACHEN.

 

FDP
Bei jedem auswärtigen Westerwelleauftritt, schämte ich mich Deutscher zu sein. Und ich bin Däne.
Dazu noch Rösler, Brüderle etc. Wer das dem Volk antut, muss mit Konsequenzen rechnen. Wahrscheinlich hätten sie es trotzdem in den Bundestag geschafft, also sorgten sie dafür, dass wirklich jeder mitbekam, wie käuflich sie sind. Liebe FDP, Korruption ist allgegenwärtig, aber den Geldkoffer der Öffentlichkeit vorzuzeigen, so etwas übersteht nur Helmut Kohl unbeschadet.
Ein Lehrstück darüber: Wie vernichte ich eine Partei.
TSCHÜSS.

 

DIE GRÜNEN
Was ist bloß aus meiner ehemaligen Lieblingspartei geworden? Wenn man sich das Abstimmverhalten in der Legislaturperiode anschaut, könnte man sie für eine Splittergruppe der CDU halten. Ökonomie war ja noch nie deren Stärke, aber ökologisch darf man doch in 4 Jahren irgendetwas an Oppositionsarbeit erwarten. Sind scheinbar auch im Kabinengang vermerkelt worden.
Dazu Pädogate. Statistisch fallen auf jede Partei ein paar Pädophilie, aber Sex mit Kindern legalisieren wollen? Ich bin fassungslos…
Dennoch wurden DIE GRÜNEN von den meisten ihrer Stammwähler bestätigt und zogen ungefährdet in den Bundestag ein. Mal schauen, ob die Wähler sich daran erinnern, wenn das nächste mal ein vorbestrafter Sexualstraftäter in ihre Straße zieht.
UNGRÜN!

 

ALTERNATIVE FÜR DEUTSCHLAND
Besser bekannt als die neue NDP. So wurden sie zumindest gestern von Jauch, Lobo und zuvor von vielen anderen Medien dargestellt. Permanente Diffamierungen, Diskriminierungen und Benachteiligungen. Es war zwar spannend live mitzuverfolgen, wie ein politischer Gegner der Blockparteien, medial kaltgestellt wurde, mich hätte eine inhaltliche Auseinandersetzung zum Thema Euro aber auch interessiert, doch jede Diskussion wurde mit der Nazikeule totgeschlagen.
Sind nicht in den Bundestag gekommen, was viele begrüßen. Das Euro-Thema werden die anderen Parteien in Zukunft aber vielleicht nicht mehr so totschweigen können, wie bislang.
AUFTRAG ERFÜLLT.

 

PIRATEN
Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust. Eine Partei, die als Hauptprogrammpunkt die Enteignung aller Künstler hat und demokratische Debatten mit Shitstorms und Hackerangriffen beantwortet, darf sich gerne selbst versenken. Allerdings ist es auch die einzige Partei, die zwischen Schlager, Volksmusik und Gejodele, eine fette Houseparty veranstalten könnte. Wenn sie denn könnte. Vielleicht kommt da noch mal was. Solange sie aber Künstler dissen, klingen 2% in meinen Ohren ganz fair.
AHOI.

 

FAZIT:
In meinen Augen, haben die Parteien diese Legislaturperiode wegverwaltet. Ich kann mich an keinen Ansatz zur Lösung von irgendeinem wichtigen Problem erinnern. Das war echt zu wenig.
Einen solchen inhaltsfreien Kuschel-Wahlkampf, habe ich auch noch nicht erlebt. Es ging kaum um die Sache, es wurde eher nach Sympathie agiert.
Kurz gesagt: Wenn die Leute dich mögen, ist es anscheinend völlig schnurz, was du verbockst – du wirst gewählt. Siehe Mutti & Grüne.
Wenn die Leute dich nicht mögen, siehe FDP & AfD.

Für die Zukunft wünsche ich mir …

1)    mehr konkrete politische Ergebnisse der Parteien.
2)    wahrnehmbare Oppositionsarbeit.
3)    eine Aufarbeitung der Medienkampagne gegen die AfD, damit in Zukunft andere neue Parteien davor geschützt werden können. Unrecht bleibt nun mal unrecht, auch wenn es die vermeintlich Richtigen trifft
4)     Und das ich selber irgendwann auch mal wählen darf. Das wäre echt schön.

 

Euch allen einen entspannten Nicht-Wahltag!

 

Michel




„Politisch-korrekt.“

Samstag, 21. September 2013

Politisch-korrekt.

Text zur Bundestagswahl 2013.

 

Gelegentlich wird mir zur Last gelegt, mich politisch-unkorrekt zu äußern.
Gelegentlich stimmt das.
Manchmal rede ich halt drauf los, bevor ich vollständig weiß, was ich sagen will. Manchmal finde ich dadurch erst heraus, was ich wirklich sagen will. Diese „Methode“ nenne ich: kreatives Plappern - und das geht manchmal voll in die Hose! Dann rutscht einem etwas Unbedachtes heraus und man landet in einem Rhetorik-Fettnäpfen, so groß wie der Lobbyisteneinfluss in der FDP. Einen solchen rhetorischen Fehlgriff, nennt man dann gerne politisch-unkorrekt und jedes Mal, wenn ich diesen Begriff höre, frage ich mich wieder, wie der sich als Vorwurf in unserem Sprachschatz manifestieren konnte.

Davon ab, dass man schon sehr viel Humor haben muss, um „politisch“ und „korrekt“ aneinander zu reihen, dient politisch-korrektes Reden und Handeln meist dazu, sich nicht angreifbar zu machen.
Das Menschen es angenehmer finden, nicht angegriffen zu werden, kann ich wirklich nachvollziehen. Aber ist es nicht auch das, woran die Politik leidet? Das immer mehr Teflonmenschen belanglose Wischiwaschiaussagen aufsagen und dieses dann als Nachricht/Information verkauft werden muss?
Weiß überhaupt noch jemand, wofür die verschiedenen Parteien stehen? Nein? Vielleicht auch, weil Politiker sich permanent politisch-korrekt äußern müssen, damit sie weniger kritisiert werden, denn keine-Angriffsfläche-bieten geht heutzutage oft schon als erfolgreiche Politik durch.
Mittlerweile ist dieses Bewertungssystem schon so pervertiert, dass jemand, der sich gar nicht mehr äußert, immer beliebter wird. Gleichzeitig wird jemand, der einmal unklug verhält/formuliert, sein Leben lang wie die Sau durch das mediale Dorf getrieben, egal was er für die Gesellschaft geleistet hat.
Mich langweilt diese heuchlerische Empörung, die sich nach jedem falschen Satz, über den Unglücklichen ergießt. Ich will wieder Menschen mit Meinungen, Haltungen und Leidenschaft sprechen hören. Es können auch mal bescheuerte Meinungen sein, hauptsache Standpunkte, die man dann diskutieren kann.

Ist es überhaupt sinnvoll, sich immer nur zu äußern, wenn unsere Aussagen politisch-korrekt sind? Ist nicht jede Beziehung, die Menschen miteinander eingehen, ob als Paar, Eltern/Kind, Bürger/Staat, Wähler/Partei, Arbeitgeber/Arbeitnehmer usw., von einer gewissen Auseinandersetzung abhängig? Natürlich macht der Umgangston die Musik, aber sollte man nicht eine unbeliebte Formulierung/Argumentation in Kauf nehmen, wenn man dafür erfährt, was der andere wirklich denkt?
Jede Gesellschaft braucht kantige Persönlichkeiten, die auch mal etwas Unbequemes sagen, vor allem dann, wenn sich gerade alle anderen einer Mehrheit beugen. Jeder weiß das. Aber richten wir uns danach? Oder richten wir eher den, der das ausspricht, was viele denken und sich nicht mehr zu sagen trauen, aus Angst, entlassen, verklagt oder öffentlich demontiert zu werden?

In Skandinavien gibt es einen gut dotierten gesellschaftlich anerkannten Preis für Menschen, die unbequeme Gedanken äußern.
Vielleicht sollten wir das im Schulwesen einführen, statt Kinder zu bestrafen, wenn sie nicht konform sind.
Vielleicht könnten wir uns auch erlauben, öffentliche Personen Fehler zuzugestehen, statt sie wegen einem einzigen Fehlverhalten zum Rücktritt zu zwingen.
Vielleicht könnten wir alle uns gegenseitig beschützen, wenn einer von uns sich angreifbar macht, statt uns präventiv hinter einer rhetorischen Teflonfassade zu verbarrikadieren.
Wäre das alles nicht wesentlich wert-voller für unsere Gesellschaft, als politische Korrektheit?

Zum Schluss….
Ich denke nicht, dass die Medien sich so leicht ändern können, also müssen Politiker auch in Zukunft jedes Wort auf die Goldwaage legen und ihre Wähler weiterhin zu Tode langweilen.
Aber müssen wir Nicht-Politiker dem nacheifern?
Wir sind unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Meinungen – darunter werden auch immer unbequeme oder idiotische sein, aber wir brauchen Kommunikation mit Andersdenkenden, sonst können wir uns und/oder sie sich, nicht weiterentwickeln.
Zudem ist Feedback von Gleichdenkenden meistens Bestätigung, wir brauchen aber konstruktive Kritik und wenn jeder das akzeptiert, verändern wir die Gesellschaft vielleicht nachhaltiger, als wir jetzt für möglich halten. Dazu gehört auch…

… dass wir Wählen gehen.
Ich beneide jeden, der am Sonntag sein Kreuz machen darf. Ich lebe seit 1974 in Deutschland und weil ich meinen dänischen Pass nicht abgeben will, darf ich nicht wählen. Dabei wäre mein Kreuz wertvoll, weil ich immer kleine Parteien wählen würde, um die großen Parteien in Bewegung zu halten. Eine Strategie, die für die Gesellschaft den größten Nutzen hat und die ich in der dänischen Vielparteienlandschaft gelernt habe.

In diesem Sinne: Viel Spaß in der Wahlkabine. Genießt es, denn Wählen ist eine großartige Errungenschaft, die Bürger wie wir, irgendwann den Mächtigen abgetrotzt haben. Millionen Menschen weltweit beneiden euch um dieses Recht und einer davon wünscht euch jetzt ein schönes politisch-unkorrektes Wochenende.

Euer nicht-wählender Mit-Bürger.

Michel

 

 

 

 




Bush, Nazis & die Frauenbewegung.

Freitag, 17. Mai 2013

Rezensionen digitalisieren dauert ewig, weil man immer wieder über Perlen stolpert, wie:

“Der Kosmopolit machte kein Geheimnis aus seiner ablehnenden Haltung gegenüber George Bush, den Nazis oder die Frauenbewegung der 80er Jahre.”

Über diese Aufzählung denke ich jetzt mal in aller Ruhe nach… ,o)




Red River…

Donnerstag, 2. Mai 2013

Als ich 1997 begann auf Lesetour zu gehen, hatte das ich das große Glück nicht bei einer normalen Bookingagentur zu landen, sondern bei Stahl-Entertainment, eine Band-Agentur mit Songwritern und Rockbands. Ich war der einzige Schriftsteller.

Das hatte den Nachteil, dass die Agentur mich manchmal nicht in die üblichen Literaturläden unterbringen konnte. Dafür brachte sie mich in die unüblichen. Ich trat auf Openair-Festivals zwischen Rockbands auf… auf der Popkomm… auf der Skandinavienmesse… in JVAs… in kleinen privaten Kunstsalons von reichen Erbinnen… als „Vorband“ von Anke Engelke, Bernd Stelter, in Knacki Deusers Waschsalon, in Privatschlössern, Ex-Puffs, Hochschulen, Buchmessen, Fußballstadien und… Saunas.

Daraus resultieren unendlich viele besondere Momente, die ich mein Leben lang mit mir herumtragen werde und für die ich gar nicht genug danken kann. Ich versuchs trotzdem. Daher jetzt ein weiteres kleines süßes von Herzen kommendes: …. DANKE!

Auf einer der Lesetouren landete ich im Red River. Ein Musikclub oldstyle, verraucht, verklebt, abgerockt. In solchen Etablissements bin ich mit Bands groß geworden und ich liebe sie wirklich sehr.
Das Red River liebe ich allerdings noch ein bisschen mehr, wegen einer ganz besonderen Besonderheit: Das Klo ist hinter der Bühne!! Mehr Vorlage kann sich kein Entertainer wünschen! Himmel, was hatte ich für einen Spaß mit den schwachen Blasen… ,o))

Danke an alle, die dabei waren – und an Stahl-Entertainment, die Agentur für den besonderen Gig. Mann, was hatte ich für ein Glück mit euch! Danke……. Bis zum nächsten Whiskey.